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Faire Preise für Mastbullen: Wo liegen die Vollkosten?

Schweine werden zum Teil schon nach Vollkosten abgerechnet. Doch welche Preise bräuchten Bullenmäster, um alle Kosten für Tiere aus Haltungsstufe 3 abzudecken? Unser Autor hat gerechnet.

Lesezeit: 6 Minuten

Unser Autor: Norbert Schneider, Institut für Agrarökonomie; LfL

Schnell gelesen

Die Notierung plus Zuschläge ist bisher die Abrechnungsbasis für Mastbullen.

Die Marktleistung, die sich daraus ergibt, hat bisher die Vollkosten für die Mäster nicht gedeckt.

Die Kalkulation der Vollkosten basiert auf neuen Strohställen und durchschnitt-lichen Produktionsleistungen.

Nach dieser Rechnung liegt der vollkostendeckende Preis bei 7,90 €/kg SG.

In anderen Branchen ist es der Normalfall, in der Landwirtschaft noch die Ausnahme: Die Hersteller ermitteln die Erzeugungskosten ihres Produktes und leiten dann davon den Verkaufspreis ab.

So haben sich zum Beispiel die Erzeugergemeinschaft Südbayern und Rewe bei ihrem Programm „Bayerisches Strohschwein“ dafür entschieden, nach einem Kostpreismodell abzurechnen. Dazu werden im halbjährlichen Rhythmus die Vollkosten der Ferkelerzeugung und Mast in Haltungsform 3 und bei durchschnittlichen Produktionskennzahlen ermittelt.

Der ermittelte Wert, der neben den variablen und festen Kosten auch die Entlohnung der Arbeitszeit und die Verzinsung des eingesetzten Kapitals umfasst, gilt dann für die nächsten sechs Monate als Abrechnungspreis. Aktuell liegt dieser bei 2,63 €/kg Schlachtgewicht (SG).

Preise decken Kosten nicht

Bayerische Bullenmäster haben gebeten, nach diesem Schema auch die Vollkosten für die Bullenmast zu ermitteln. Der Wert entspräche dann einem fairen Preis für Schlachtbullen, der alle Kosten abdecken würde.

Bislang werden Mastbullen fast ausschließlich nach Notierung plus den Zuschlägen abgerechnet. Dieser Preise hat in den letzten Jahren zwar die variablen Kosten der Mast abgedeckt, aber nur ganz selten zusätzlich die Festkosten, die im Wesentlichen den Gebäudekosten entsprechen (Übersicht 1).

Noch schlechter sieht es aus, wenn man zusätzlich noch die Entlohnung der eingesetzten Arbeit und die Verzinsung des eingesetzten Kapitals berücksichtigt, die zusammen mit den variablen und den festen Kosten die Vollkosten ergeben.

Doch wie hoch sind die tatsächlichen Kosten in der Bullenmast und welche Annahmen sollte man für deren Berechnung zugrunde legen? 

Analog zum Kostpreis-Modell bei Strohschweinen beginnt die Vollkostenrechnung ab Kalb. Da die Fresseraufzucht und die Mast zum Teil in verschiedenen Betrieben und zum Teil zusammen in Kombibetrieben durchgeführt werden, ermittelt die Kalkulation die Vollkosten in der Fresseraufzucht und in der Mast getrennt voneinander.

Das sind die Annahmen

Bei den Haltungsbedingungen wurde Haltungsform 3 unterstellt. Zum einen hat der Handel angekündigt, künftig nur noch Rindfleisch anzubieten, das mindestens der Stufe 3 entspricht. Zum anderen werden unter dieser Stufe keine neuen Ställe mehr gebaut. Die Kalkulation basiert deshalb in der Fresseraufzucht und in der Mast auf Tretmistställen mit Stroheinstreu. Für die Ställe sind die aktuellen Baukosten für Neubauten unterstellt.

Gefüttert wird GVO-frei auf Basis von Standardrationen des Instituts für Tierernährung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Die Futtervorlage erfolgt mit dem Mischwagen. Entmistet und eingestreut wird mit dem Frontladerschlepper, wobei das Stroh in der Bucht von Hand verteilt wird. Bei der Berechnung der Grundfutterkosten sind die anteiligen Maschinenkosten berücksichtigt. Der Lohnansatz beträgt 30 €/Stunde.

Der Kalkulation liegt ein Betrieb mit Regelbesteuerung zugrunde, weshalb durchweg Nettopreise gelten. Zudem wurde ohne Düngerwert und auch ohne Tierwohlprämien gerechnet, weil diese nicht langfristig gesichert sind.

Produktionstechnisch gelten die Durchschnittszahlen des LKV Bayern. Bei den Tieren handelt es sich um Fleckviehkälber aus Bayern. Das Einstallgewicht liegt bei 84 kg in der Fresseraufzucht und bei 215 kg in der Mast, das Mastendgewicht bei 752 kg Lebendgewicht bzw. 429 kg Schlachtgewicht. Die Fresser nehmen täglich 1.121 g zu, die Bullen 1.270 g.

1.195 € kosten Pro Fresser ...

Auf dieser Basis ergeben sich für die Fresseraufzucht variable Kosten von 853 €/Tier, Festkosten von 146 €/Tier und kalkulatorische Kosten von 181 €/Tier. In der Summe ergibt das für den 215 kg schweren Fresser Gesamtkosten von 1.175 €. Davon entfallen 142 € auf die Gebäudekosten und 174 € auf den Lohnansatz (siehe Übersicht 2).

… und 3.389 € pro Bulle

Inklusive des Fresserpreises, der auf Vollkostenbasis ermittelt wurde, errechnen sich in der Bullenmast variable Kosten von 2.288 €/Tier. Zweitgrößter Kostenblock neben dem Fresserpreis ist das Futter, wobei das Grundfutter mit 465 €/Tier noch höher liegt als das Kraft- und Mineralfutter mit 405 €/Tier. Beim Grundfutter wurden die Herstellungskosten auf Vollkostenbasis zugrunde gelegt, wobei diese nur geringfügig höher sind als die Zukaufkosten frei Silo.

Die Gebäudekosten erscheinen mit 588 €/Tier hoch. Allerdings wurde unterstellt, dass neben dem Stall auch der Lagerraum für Mist, Jauche, Silage und Stroh neu gebaut werden muss. Die Investitionskosten für das eigentliche Stallgebäude von knapp 5.000 € beruhen auf aktuellen Angeboten und umfassen auch Technik und Erschließung.

Beim Lohnsatz wurden rund acht Arbeitskraftstunden angenommen, weil das Entmisten und Einstreuen mit dem Frontladerschlepper zeitintensiv ist.

In der Summe ergeben sich Vollkosten von 3.389 €/Tier bzw. 7,90 €/g SG. Das heißt: Ein Betrieb, der einen neuen Fresseraufzucht- oder Bullenmaststall in der gewünschten Haltungsform bauen muss, um Mastrinder zu erzeugen, benötigt diesen Erlös bzw. Preis, um seine Kosten zu decken.

2 € Differenz zum Marktpreis

Gegenüber dem aktuellen Marktpreis entspricht das einer Differenz von rund 2 €/kg SG. Solange ausreichend Tiere dieser Haltungsform zur Verfügung stehen, wird der Lebensmitteleinzelhandel voraussichtlich nicht bereit sein, diesen vollkostendeckenden Preis zu zahlen.

Allerdings wird dieser Umstand dazu führen, dass die Bullenmast bei uns Stück für Stück zurückgehen wird. Investieren werden Mäster nur noch dann, wenn sie sichergehen können, dass sie alle Kosten decken können.

Das heißt: Mittelfristig wird der Lebensmittelhandel vollkostendeckende Preise zahlen müssen, wenn er künftig heimisches Rindfleisch aus der entsprechenden Haltungsform beziehen will.

Fleisch länger reifen?

Ein höherer Preis erfordert eine bessere Kommunikation gegenüber dem Verbraucher und wahrscheinlich auch ein längeres Reifen des Fleisches.

Im Gegensatz zu Fleisch aus Südamerika, das in der Regel in Schiffen kommt und daher lange reifen kann, hängt das heimische Rindfleisch in unseren Schlachtbetrieben deutlich kürzer ab als die zwei bis drei Wochen, die für die Reifung mindestens erforderlich sind. Möglicherweise ließe sich mit gut abgehangenem Rindfleisch und intensiverer Werbung beim Verkauf dann die Lücke zum vollkostendeckenden Preis schließen.

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