Einloggen / Registrieren

Startseite

Schlagzeilen
Meinung & Debatte
Newsletter
Messen & Termine
Themen
Wir für Euch
Heftarchiv
Sonstiges

Regierungswechsel Aussaat im Frühling Maul- und Klauenseuche

topplus Interview

Stromgroßspeicher: Können Landwirte vom Boom profitieren?

Die Anträge für den Anschluss von großen Stromspeichern sind seit letztem Jahr nach oben geschnellt. Alois Hadeier von CARMEN e. V. sieht dabei auch Chancen für Landwirte.

Lesezeit: 4 Minuten

Der immer größere Anteil von PV-Freiflächen- und Windkraftanlagen führt zu starken Schwankungen im Stromnetz. Große Batteriespeicher können diese Schwankungen ausgleichen und versprechen aktuell hohe Renditen für die Betreiber. Weil zugleich die Investitionskosten gesunken sind, boomen derzeit die Anträge für große Stromspeicher. Im Interview mit top agrar ordnet der Energieexperte Alois Hadeier von CARMEN e. V. diese Entwicklung ein und zeigt auf, wie auch Landwirte davon profitieren können.

Herr Hadeier, um welche Größenordnung handelt es sich bei den Großspeichern und wer sind die potenziellen Investoren? 

Alois Hadeier: Von Großspeichern spricht man ab einer Kapazität von 1 MWh bzw. einer Leistung von 1 MW. Momentan werden die Systeme meist als 2 -h-Systeme ausgeführt. Das heißt, dass der Speicher bei maximaler Lade- bzw. Entladeleistung innerhalb von zwei Stunden gefüllt bzw. entleert werden könnte.

Für die Speichervermarktung durch spezialisierte Vermarkter sind aber oft erst Systeme mit einer Kapazität von mindestens 5 MWh interessant. Die Investitionskosten bewegen sich je nach System (1 h, 2 h oder 4 h) bei vorhandener Netzeinspeisemöglichkeit zwischen ca. 200-500 €/kWh. Zu beachten sind auch noch mögliche Baukostenzuschüsse, die sich im Bereich von ca.125 €/kW bewegen und für Speicher gezahlt werden, die auch Strom aus dem Netz einspeichern (Graustromspeicher).

Investoren solcher Projekte sind oft auch Investoren anderer Erneuerbarer-Energien-Projekte wie PV-Freiflächen- oder Windkraftanlagen. Jedoch kommen auch neue Akteure auf den Markt, die das momentan hohe Renditepotential nutzen wollen. 

Sind darunter nach Ihrer Kenntnis darunter auch Landwirte?

Hadeier: Wir stellen ein erhöhtes Interesse und Beratungsaufkommen von Landwirten fest, die bereits Erfahrungen z. B. mit PV-Freiflächen-Anlagen oder Biogas-Anlagen haben. Vor allem im Hinblick auf niedrige Marktwerte und eine steigende Stundenzahl negativer Börsenstrompreise suchen viele Anlagenbetreiber Flexibilisierungsmöglichkeiten in der Vermarktung bzw. weitere Standbeine.

Wir stellen ein erhöhtes Interesse von Landwirten fest, die bereits Erfahrungen mit PV-Freiflächen- und Biogasanlagen haben.

Welche Standortvoraussetzungen sind für den Betrieb eines Großspeichers nötig?

Hadeier: Zuallererst muss der potenzielle Standort natürlich genehmigungsfähig sein. Eine zentrale Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Betrieb eines Speichers stellt zudem der Netzanschluss dar. Mit zunehmendem Ausbau Erneuerbarer Energien stellt die Ressource Netzzugang ein immer knapperes und somit wertvolleres Gut dar. Da der Flächenbedarf von Speicheranlagen relativ klein ist, orientiert sich die Wahl des Standorts vor allem an günstigen Netzanschlusskapazitäten, wie z.B. in der Nähe von vorhandenen Umspannwerken. So genannte Co-Location-Speicher nutzen hingegen einen mit einer Erzeugungsanlage geteilten Netzanschluss und können somit die Kosten für den Netzzugang durch eine höhere Auslastung reduzieren.  

Könnte das Betreiben von Großspeichern ohne Bezug zum eigenen Betrieb auch ein Geschäftsmodell für Landwirte sein?

Hadeier: Bei der Nutzung von Speichern mit Netzstrom (so genannte Graustromspeicher), die einen eigenen Netzanschluss haben (Stand-Alone-Speicher) oder als Co-Location-Speicher ausgeführt werden können, entstehen auf Seiten der Vermarktung Vorteile gegenüber Speichern, deren Strom über das EEG vermarktet werden soll. So profitieren sie in vollem Umfang von den Zeiten negativer Strompreise. Denn sie retten Strom aus einer Erzeugungsanlagen nicht nur vor der Nichtvergütung, sondern bekommen viel mehr noch Geld für den Bezug aus dem Netz.

Die untertägigen Preisunterschiede vor allem im Sommer zwischen günstigem mittäglichen Sonnenstrom und teurem Abendstrom ermöglichen auch ohne eine Kombination mit einer PV-Anlage auskömmliche Renditen. Derzeit können mit Großspeichern Amortisationszeiten von fünf bis sechs Jahren erzielt werden.

Bei Stand-Alone-Speichern gibt es zudem keine Einschränkungen der Einspeiseleistung durch eine konkurrierende Erzeugungsanlage und die Betreiber können Speicher maximal flexibel in den verschiedenen Märkten wie Regelenergie und Energiehandel einsetzen.

 Welche Risiken sehen Sie bei so einem Invest?

Hadeier: Da Speicher meist außerhalb einer gut kalkulierbaren EEG-Einspeise-Förderung betrieben werden, sind die Erlöse weniger sicher berechenbar, was zu einer schwierigeren Finanzierung führen kann. Diese erhöhten Unsicherheiten müssen daher mit erhöhten Chancen verbunden sein. Für die nächsten Jahre scheinen diese durch den zunehmenden Ausbau fluktuierender Stromerzeuger wie Windkraft- und PV-Anlagen gegeben zu sein.

Allerdings lassen sich mit einem weiteren Zubau von Speicherkapazitäten und einer steigenden Anzahl steuerbarer Verbraucher wie Elektroautos oder Wärmepumpen Lasten sehr gut in Zeiten günstiger Strompreise verlagern. Dadurch kann es zu einer zunehmenden Kannibalisierung bzw. Konkurrenz um günstige Strompreise kommen, so dass sich die für einen wirtschaftlichen Betrieb eines Speichers nötigen tageszeitlichen Preisunterschiede verringern.  

Mit einem weiteren Zubau von Speicherkapazitäten verringern sich die für einen wirtschaftlichen Betrieb eines Speichers nötigen tageszeitlichen Preisunterschiede.

Wie könnten Landwirte von dem Boom bei Großspeichern trotzdem profitieren?

Hadeier: Perspektivisch werden die Schwankungen der Preise und Anzahl der Zeiten negativer Strompreise durch die Zunahme von Speicherkapazitäten abnehmen. Landwirte als Betreiber von größeren Erneuerbare-Energien-Anlagen können dadurch von höheren Börsenstrompreisen für Solarstrom indirekt profitieren.

Auch durch einen Eigenbetrieb von Speicheranlagen mit oder ohne Kombination mit vorhandenen Erzeugungsanlagen können Landwirte sich ein weiteres Standbein schaffen und eventuell bereits vorhandene Netzanschlusskapazitäten besser ausnutzen.

Als Eigentümer von geeigneten Flächen können Landwirte zudem ein erhöhtes Einkommen aus der Vermietung an Anlagenbetreibende erzielen. 

 

Ihre Meinung ist gefragt

Was denken Sie über dieses Thema? Was beschäftigt Sie aktuell? Schreiben Sie uns Ihre Meinung, Gedanken, Fragen und Anmerkungen.

Wir behalten uns vor, Beiträge und Einsendungen gekürzt zu veröffentlichen.

Mehr zu dem Thema

top + Wissen säen, Erfolg ernten.

Planung, Aussaat, Düngung – wir liefern alle Infos. 3 Monate testen für 10 €!

Wie zufrieden sind Sie mit topagrar.com?

Was können wir noch verbessern?

Weitere Informationen zur Verarbeitung Ihrer Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

E-Mail-Adresse

Vielen Dank für Ihr Feedback!

Wir arbeiten stetig daran, Ihre Erfahrung mit topagrar.com zu verbessern. Dazu ist Ihre Meinung für uns unverzichtbar.