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Agrarpolitik bei der Landtagswahl Maisernte Baywa in Insolvenzgefahr

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Nur die Laboranalysen haben uns gerettet

Lesezeit: 3 Minuten

Mit der ursprünglichen Anlage wären wir vor die Wand gefahren, weiß Schweine- und Bullenmäster Hugo Nienhaus aus Rhede (Westfalen) heute. Seit gut einem Jahr vergärt er Körnermais, Getreide, Schweine- und Rindergülle. Mais und Getreide werden nach der Ernte geschrotet, mit Wasser versetzt und in einen Hochbehälter mit 50 % TS-Gehalt einsiliert. Die ersten Monate lief der Prozess stabil. Doch dann stockte die Gasbildung. Nienhaus reagierte zunächst wie alle Betreiber mit noch wenig Erfahrung: Mit der Zugabe von noch mehr Substrat. Doch das war gerade die falsche Entscheidung. Denn wie er später bemerkte, hatte ein drastischer Anstieg von Propionsäure die Gasbildung verhindert. Mit mehr Substrat verstärkte sich dieser Effekt. Zu der Zeit hat er rund 600 kg Getreidebrei pro Stunde gefüttert. Hätte ich nicht einmal pro Woche das Gärsubstrat untersuchen lassen, wäre mir der Säureanstieg nicht aufgefallen, berichtet Nienhaus. Als Notmaßnahme stoppte er die Fütterung sofort und ließ die Bakterien einige Tage hungern. Dann hat er die Fütterung mit wenigen Kilogramm Getreidebrei pro Stunde langsam wieder erhöht. Seit Anfang November füttert er 540 kg/Stunde aus dem Getreidesilo sowie 12 m3 Gülle täglich. Die Anlage läuft seitdem mit über 500 kW stabil. Heute weiß er, was zum Säureanstieg geführt hat: Die Anlagentechnik war unzureichend. Zu der ungenauen Dosierung von Wasser bei der Silierung und einer mangelhaften Dosiereinrichtung bei der täglichen Fütterung kamen noch schlechte Getreidequalitäten und eine abrupte Änderung der Futterzusammensetzung. Auf eigene Kosten hat er eine Wiegeeinrichtung nachgerüstet und ein System zum exakten Anteigen des Breis entwickelt. Damit sind einige der Unsicherheitsfaktoren ausgeschaltet. Zusätzlich hilft ihm jetzt die Beratung der WLV Service GmbH aus Borken. Die Tochtergesellschaft des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes hat seit kurzem ein mobiles Labor, mit dem fast 20 Biogasanlagen betreut werden. Wir betreuen im Moment nur Betreiber mit Getreideanlagen, weil diese viel Unterstützung benötigen, erläutert Geschäftsführerin Doris Nienhaus. Das Servicefahrzeug besucht die Anlagen in Nord-rhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen zweimal pro Monat. Vor Ort werden dann Proben gezogen und analysiert. Zu den ermittelten Werten zählen der pH-Wert, Ammoniumgehalt sowie die Menge der Säuren im Gärsub-strat. Auch das eingesetzte Futter sowie die Biogaszusammensetzung werden analysiert. Zusätzlich schicken die Betreiber zweimal wöchentlich eine Substratprobe per Kurier ein. In 48 Stunden erhalten sie dann von der Service GmbH eine Analyse mit Fütterungsempfehlungen. Wichtig ist es, die Tendenzen früh zu erkennen, erläutert Betreuer Sebastian Eschenbacher. Jeder Beratungstermin dauert etwa einen halben Tag, da auch Sensoren in der Anlage bei Bedarf nachkalibriert werden. Dieser Service kostet die angeschlossenen Betriebe deutlich unter 10 000 E im Jahr also nur einen Bruchteil dessen, was ein Anlagenabsturz kosten würde. Bei Neuanlagen sitzen wir mit dem Hersteller mit am Tisch und können auch die Erfahrungen der laufenden Anlagen weitergeben, nennt Geschäftsführerin Nienhaus einen weiteren Vorteil der Betreuung.

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