Anne-Marie Muhs möchte, dass Kinder wieder ein Bewusstsein für Natur und Tiere bekommen. Ein Bewusstsein, das sie selbst durch das Aufwachsen auf einem Hof und als Ehefrau eines Landwirts bekommen hat. „Hier werden zwar nur Landkinder betreut, sie haben aber inzwischen dasselbe Freizeitverhalten wie die Kleinen aus der Stadt“, erzählt Anne-Marie Muhs, selbst Diplom-Ökotrophologin. Sie hat beobachtet, dass auch Kinder, die auf dem Land aufgewachsen sind, sich kaum noch selbst beschäftigen können. Auch über die Landwirtschaft und die Herkunft von Lebensmitteln wissen die Kleinen heute häufig viel zu wenig.
Im Jahr 2000 hat Anne Muhs deshalb zusammen mit ihrem Mann den ersten Bauernhofkindergarten Deutschlands eröffnet. Zu Beginn kam eine Spielgruppe mit drei Kindern für vier Tage in der Woche auf den ökologisch wirtschaftenden Betrieb mit 35 ha Acker- und Grünlandfläche, Mutterkühen, Mastrindern, Mastschweinen, Legehennen und eigener Hofschlachterei. Durch das Engagement von fünf Frauen wurde ein Trägerverein gegründet. Die Finanzierung durch die Gemeinde musste Anne-Marie Muhs gemeinsam mit ihren Helferinnen erkämpfen. Doch ihre Ausdauer hat sich gelohnt und der Hofkindergarten wurde als Regelkindergarten anerkannt – und damit wie jeder andere Kindergarten finanziert. Obwohl sie Pionierin war und es noch keine vergleichbaren Projekte gab, konnte Anne-Marie Muhs mit ihrem Konzept überzeugen. Auch die zwei jüngeren ihrer fünf Kinder haben den Kindergarten auf dem elterlichen Betrieb besucht.
Heute werden 17 Kinder fünf Tage die Woche von einer Erzieherin und einer sozialpädagogischen Assistentin betreut. Sie gehen mit den Kleinen zu festen Zeiten füttern und Eier suchen. Anne-Marie Muhs selbst ist nicht im Kindergarten aktiv. Sie stellt die Räumlichkeiten für die Kinder in Form eines Holzgebäudes mit Gemeinschaftsraum, kleiner Küche und sanitären Anlagen zur Verfügung. Dieses wurde extra für den Kindergarten auf dem Betrieb errichtet.
Anne-Marie Muhs ist inzwischen ehrenamtlich beratend tätig und hilft anderen Frauen, die einen Bauernhofkindergarten eröffnen möchten. Sie freut sich über das steigende Interesse. Für sie selbst ist klar, dass es trotz großer Nachfrage nach Plätzen keine zweite Gruppe auf ihrem Hof geben wird. Vielmehr hofft sie darauf, dass sich andere landwirtschaftliche Betriebe finden, die sich auf das Abenteuer Bauernhofkindergarten einlassen. -aro-