Schweinefleisch ist in keinem EU-Land so billig zu kaufen wie in Deutschland. Es kostet nur 78 Prozent des EU-Durch-schnitts (siehe Übersicht). Das zumindest hat die EU-Kommission in einer Studie über Preisunterschiede zwischen den EU-Mitgliedstaaten herausgefunden. Das Er-staunliche daran: Deutschland ist ein Im-portland für Schweinefleisch. Der Selbst-versorgungsgrad liegt zurzeit nur bei rund 85 Prozent. Auch an den Produkionskos-ten kann es nicht liegen, denn die sind im Vergleich zu anderen EU-Ländern relativ hoch. Was also bewirkt die niedrigen Preise für Schweinefleisch in deutschen Super-märkten? Entscheidend dürfte die hohe Konzentration des Lebensmitteleinzel-handels gegenüber der zersplitterten An-gebotsstruktur der Schlachtunternehmen in Deutschland sein. Die Marktmacht der Ketten ist so groß, dass sie den Fleischan-bietern kaum noch Luft zum Atmen las-sen. Schweinefleisch wird bei uns außer-dem traditionell als Lockmittel in den Lä-den geführt. Für zusätzlichen Druck sorgt der Fleischimport aus Ländern mit hohem Selbstversorgungsgrad, wie Belgien, Hol-land und Dänemark. Bei den anderen Produkten hingegen (vgl. Übersicht) lassen sich niedrige Ver-braucherpreise meistens durch günstige Produktionsbedingungen und einen ho-hen Selbstversorgungsgrad in dem jewei-ligen Land erklären. So können Apfelsi-nen, Bananen und Tomaten in Spanien am billigsten sein, weil dort ein Großteil erzeugt wird. Verbraucher in anderen EU-Ländern müssen dagegen zusätzlich Transportkosten bezahlen, die bei fri-schen Produkten relativ hoch sind. Die niedrigen Rindfleisch-Preise in Irland er-klären sich allein schon durch den Selbst-versorgungsgrad von rund 1 000 Prozent. Zu den Hochpreisländern gehören vor allem die nördlichen EU-Länder. Hier ist das Kräfteverhälnis zwischen den Lebens-mittelproduzenten und dem Einzelhandel vergleichsweise ausgeglichen. In Skandi-navien haben beispielsweise viele Ver-sandschlachtereien und Molkereien in den letzten Jahren zu immer größeren Einheiten fusioniert. Die hohen Preise für Schweinefleisch in Schweden (31 % über dem EU-Schnitt) werden aber auch durch den Importbedarf des Landes hervorge-rufen. -sm-
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