Markus Leimer aus Schwabmühlhausen hat die Durchfälle seiner Ferkel mit gekapseltem Zink in den Griff bekommen.
Markus Leimer aus dem bayerischen Schwabmühlhausen nahe Augsburg hat vor gut fünf Jahren einen atemberaubend mutigen Schritt gewagt: Gemeinsam mit seinen Eltern Cordula und Josef Leimer hat er gut zwei Kilometer von der alten Hofstelle entfernt nach dänischem Vorbild einen modernen Sauenstall für 450 Sauen auf die grüne Wiese gestellt, inklusive der Ferkelaufzucht bis 30 kg.
Hygiene und Sauberkeit werden im Betrieb Leimer großgeschrieben. Denn der Bestand mit Hermitage-Sauen ist bis heute PRRS- und APP-frei sowie Räude-unverdächtig. Um diesen Status nicht zu gefährden, ist die Stallanla-ge komplett eingezäunt, alle Besucher müssen einduschen und die komplette Kleidung inklusive Unterwäsche wechseln. Für an- und abliefernde Lkws gibt es zudem eine separate Zufahrt.
Der Betrieb arbeitet sehr erfolgreich. Im Schnitt werden 29 Ferkel pro Sau und Jahr abgesetzt bei 9,8 % Saugferkelverlusten. Vor zwei Jahren kam dann jedoch der erste Dämpfer. „Wir bekamen zwei bis drei Wochen nach dem Absetzen plötzlich große Probleme mit Coli-Durchfällen. Die Gruppen wuchsen auseinander, und die Ferkelverluste stiegen deutlich an“, erzählt der 29-jährige Betriebsleiter. Hinzu kamen etliche Fälle von Ödemkrankheit in der Aufzucht, die Leimer bis dahin gar nicht kannte.
Der betreuende Tierarzt Dr. Andreas Palzer, der den Betrieb wöchentlich besucht, reagierte schnell. Mit Colistin bekamen Tierarzt und Landwirt das Problem in der Aufzucht schnell in den Griff. Bereits fünf Tage nach der Be- handlung waren die Durchfälle wieder verschwunden.
Auch wenn die Verluste inzwischen wieder unter 1,5 % gesenkt werden konnten, waren sich Tierarzt und Landwirt aber einig, dass eine dauerhafte Colistin-Gabe nicht der Weisheit letzter Schluss sein konnte. Denn jede Antibiotikagabe selektiert auf resistente Keime. „Das Colistin wollen wir für Notfälle reservieren, falls sich die Probleme doch noch einmal ausweiten sollten“, berichtet Markus Leimer.
Dr. Palzer gab Markus Leimer daher den Tipp, gekapseltes Zink in das Ferkelfutter einzumischen. Zink ist seit Langem dafür bekannt, dass es das Immunsystem stimuliert und die Vermehrung der Viren hemmt. Deshalb wird es in anderen Ländern wie z. B. Dänemark auch intensiv in der Ferkel-aufzucht eingesetzt. Vieles davon landet jedoch unverdaut mit der Gülle auf dem Acker und reichert sich im Boden an. Daher darf Zink in Deutschland nur noch in einer Dosierung von maximal 150 mg je kg Futter eingesetzt werden.
„Wir haben uns deshalb in unserem Diät-Ergänzungsfuttermittel, das wir in einem Futtermittelwerk für unsere Kunden anmischen lassen, für den Einsatz von mikrogekapseltem Zink entschieden. Denn aufgrund der Kapselung wird das Zink hier erst im Darm freigesetzt. Es ist dadurch acht- bis zehnmal so wirksam wie normales Zinkoxid und kann in wesentlich geringerer Dosierung eingesetzt werden“, erläutert Dr. Andreas Palzer.
Das ist dem Tierarzt auch deshalb wichtig, weil Studien der Uni Berlin (siehe Kasten) darauf hindeuten, dass extrem hohe Zinkmengen im Ferkelfutter möglicherweise die Ausprägung von Antibiotika-Resistenzen fördern.
„Seitdem wir mikrogekapseltes Zink einsetzen, haben wir kein Gramm Colistin mehr benötigt“, berichtet Markus Leimer stolz. Allerdings ist der Zinkeinsatz weder preiswerter noch einfacher. „Das Zinkoxid wirkt zwar genauso gut. Um rechtzeitig behandeln zu können, müssen Landwirte und Tierärzte die Schweine daher noch genauer beobachten“, stellt Dr. Palzer klar. Henning Lehnert