Auf dem Kalk-Symposium der Vereinigten Kreidewerke Dammann (VKD) Mitte Januar in Neugattersleben, Sachsen-Anhalt, diskutierten Experten aus Wissenschaft und Beratung mit den anwesenden Gästen, wie durch gezielte Kalkung die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Flächen gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels verbessert werden kann. „Es ist entscheidend, heute schon Lösungen zu entwickeln, um den Boden für zukünftige Generationen fruchtbar zu halten“, sagt Rolf Werner, Vertriebsleiter der Sparte Land- und Forstwirtschaft bei den VKD, mit Blick auf den Klimawandel.
Noch immer sind viele Flächen zu sauer
Laut einem Thünen-Report von 2018 sind 42 % der Ackerböden und 57 % der Grünlandflächen in Deutschland zu sauer, mit nicht zu unterschätzenden Folgen. Laut dem Berater Dr. Michael Dreyer sei eine rangmäßige Kalkung aber entscheidend um die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten. „Ein optimaler pH-Wert verbessert die Nährstoffaufnahme durch Pflanzen und stabilisiert die Bodenstruktur“, so der Berater. Dadurch wiederum würde sich die Effizienz von Produktionsmitteln wie Stickstoff und Phosphor steigern, Wasser wird besser gespeichert, und die Bodenstruktur wird verbessert. Dies resultiere in höheren Erträgen und verbesserten Qualitäten.
Bodenstruktur durch Kalkung optimieren
Dr. Tina Frank machte in ihrem Vortrag deutlich, dass die richtige Kalkversorgung wesentlich zur Verbesserung der Bodenstruktur beiträgt. „Durch einer Bodenkalkung wird die Bildung stabilen Bodenaggregaten gefördert und der Luft- und Wasserhaushalt optimiert. Das wiederum verbessert die Lebensbedingungen für Bodenorganismen wie Regenwürmer“, so die Bodenexpertin. Insgesamt verringere eine effektive Kalkung die Erosions- und Verdichtungsgefahr des Bodens reduzieren, was für die landwirtschaftliche Praxis von großer Bedeutung sei.
Wie wichtig ein richtig eingestellter pH-Wert für die Bodenstruktur ist, erläuterte auch Prof. Dr. Stephan Peth von de Leipnitz Universität in Hannover. Der Wissenschaftler gab zudem einen Einblick in seine Arbeit, bei der er sich unter anderem auch die Röntgentomographie einsetzt, um Veränderungen im Boden bzw. in der Bodenstruktur zu erkennen.
Mit ausreichend Calcium zu gesünderen Pflanzen und höheren Erträgen
Dass Calcium nicht nur für positive Effekte im Boden, sondern auch für höhere Erträge und gesündere Pflanzen sorgt, erläuterte Prof. Dr. Ute Kropf von der Fachhochschule in Kiel. Anhand eines Langzeitversuchs zeigte Kropf, dass Flächen die nicht regelmäßig gekalkt wurden, geringere Erträge erzielten als Flächen, die regelmäßig gekalkt wurden. In dem Versuch profitierten vor allem die Gerste und auch die Zuckerrüben von der Kalkung. Die bessere Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten erklärt Kropf damit, dass Calcium für eine gute Zellwandstabilität sorgt.
Um die positiven Effekte der Kalkung wirklich nutzen zu können, gibt Kropf konkrete Handlungsempfehlungen:
Planen Sie die Kalkung als regelmäßige Maßnahme in der Fruchtfolge ein, vorzugsweise als Stoppelkalkung. Bei zu erwartenden hohen Winterniederschlägen kann eine Kopfkalkung Ausgangs Winter sinnvoll sein.
Für eine effiziente Kalkung empfiehlt es sich, heterogene Felder in Teilflächen zu unterteilen und diese separat zu beproben und zu kalken.
Vorsicht bei der Auswahl der Kalkmaterialien: Vermeiden Sie Kalke mit zu hohem Magnesiumgehalt, insbesondere auf nassen Standorten.
Bei Verdacht auf unzureichende Calciumverfügbarkeit, sollte die Calciumbelegung am Bodenaustauscher überprüft werden.
Eine gute Bodenstruktur ist entscheidend; eine regelmäßige Überprüfung und Lockerung kann erforderlich sein, um Verdichtungen zu vermeiden.
Kalkung ist wichtig, wird aber zu wenig beachtet
Obwohl viele Böden zu sauer sind und die positiven Effekte einer guten Kalkversorgung weitreichend bekannt sind, wird die Kalkung oft noch vernachlässigt. Die anwesenden Experten waren sich einig, dass ein Grund dafür darin liegt, dass die positiven Effekte der Kalkung – im Gegensatz zu anderen Düngemaßnahmen – nicht sofort sichtbar sind.
Die Auswirkungen einer unterlassenen Kalkung, wie Ertragsdepressionen und -schwankungen, treten schleichend auf. Zudem bestehen in der Praxis häufig Missverständnisse, wie z. B. die Annahme, dass allein die Calcium- und Magnesiumdüngung den pH-Wert beeinflusst, ohne die Bedeutung des Calciumcarbonats zu berücksichtigen.