Der Text von Brigitte Stein ist zuerst erschienen im bioland-Fachmagazin 4/2025.
Die freundliche Stimmung am Markt für Bio-Eier und -Geflügelfleisch sorgte für Optimismus bei der Bioland-Geflügeltagung im Februar. In diesem Jahr könnten wieder mehr Bio-Eier verkauft werden als 2024 und auch für Geflügelfleisch gibt es wachsende Nachfrage.
Diese erfreuliche Perspektive zeichnete Sebastian Schneider vom Bioland-Marktteam bei der Tagung in Bad Schussenried. „Verbands-Bio performt derzeit sogar besser als EU-Bio“, berichtete er.
Nachfrage zieht an
Über das gesamte Jahr 2024 war die Bilanz zwar negativ, es wurden 3,6 % weniger Bio-Eier und 3,4 % weniger Bio-Geflügelfleisch abgesetzt als 2023. Doch im letzten Quartal des vorigen Jahres zog die Nachfrage sprunghaft an und übertraf das Jahresende 2023 um mehr als 7 %.
Diese Entwicklung setzt sich seit Jahresbeginn 2025 fort, berichtete Schneider.
Discounter gewinnen
Allerdings verschieben sich die Absatzkanäle: Die Discounter gewinnen immer stärker an Bedeutung im gesamten Handel mit frischen Lebensmitteln. Seit 2020 konnten sie ihren Bio-Umsatz um mehr als 50 % steigern, die Vollsortimenter hingegen nur um knapp 11 %.
Der Naturkostfachhandel büßte seit 2020 fast 36 % Umsatz ein, „doch gut geführte Geschäfte in guter Lage haben sich inzwischen stabilisiert“, sagte der Marktexperte.
Eine wachsende Bedeutung im Gesamtabsatz von Bio-Trockenprodukten nehmen Drogeriemärkte ein. Sie entwickelten ihr Sortiment dynamisch. Daher hält Schneider es für durchaus möglich, dass eines Tages Bio-Eier als Saisonartikel auch in Drogeriemärkten stehen könnten.
Derzeit verkaufen Discounter rund 40 % aller Bio-Eier in Deutschland, berichtete er und lenkte den Blick auf den positiven Aspekt dieser Entwicklung: „Auch im vorigen, schwierigen Jahr haben Discounter stets ihren Umsatz mit frischen Bio-Lebensmitteln vorangetrieben und damit zuverlässig für Absatz gesorgt.“
Fünf Sorten Bio-Eier im Supermarkt
Noch immer kaufen Verbraucher 15 % der Bio-Eier auf Wochenmärkten und beim Direktvermarkter und rund 34 % im LEH. Schneider beobachtet das Angebot im Discount und Supermärkten systematisch und fand bis zu fünf Sorten Bio-Eier im Supermarktregal vor.
Bei Geflügelfleisch sieht er noch Potenzial: „Hier sind nur vier von 60 Produkten bio.“ Allerdings bremse der große Preisabstand zur konventionellen Ware den Abverkauf, vermutet er. Im Naturkosthandel, wo sich Bio-Fleisch nicht mit konventionellen Preisen messen müsse, zeige die Kundschaft Interesse an Bio-Geflügelfleisch. Nach der rückläufigen Nachfrage im vorigen Jahr habe sich der Markt für Geflügelfleisch stabilisiert.
Aktuell sei Rohstoffknappheit die eigentliche Herausforderung, Schneider hält es aber für sinnvoll, gemeinsam mit den Partnern zu wachsen. „Wir können nicht alle bedienen“, sagte er. Entscheidend sei für alle, zu welchem Preis der Aufwärtstrend gelinge.
Vollkosten vorgestellt
Als sachliche Basis für Preisgespräche hat die Bioland-Beratung Vollkostenpreise für Bioland-Eier und Bioland-Geflügelfleisch zu derzeit aktuellen Konditionen ermittelt. Auf 24,75 Cent/Ei bezifferte Bioland-Geflügelberater Michael Däuber den Vollkostenpreis zur Abgabe an die Packstelle und auf 39,3 Cent/Ei zur Lieferung an den Einzelhandel.
Däuber hat kalkuliert für die Packstellenabgabe auf der Basis:
ein 2 x 3.000er Stall
15 Monate Legeperiode
83 % Legeleistung
20 Jahre Nutzungsdauer für Stallneubau und Einrichtung
9 % Tierverluste
132 g Futterverbrauch je Tier und Tag
Futterpreis von 62 €/dt.
Als große Stellschrauben auf dem Betrieb nannte Däuber die Legeleistung, Haltungsdauer, die Stallbaukosten und die Futterkosten. Die stark gestiegenen Baukosten schlagen zu Buche. Im Schritt des Sortierens für den LEH sei der Zeitaufwand entscheidend. Daher lohne es sich, auf effiziente Arbeitsabläufe zu achten. Der durchschnittliche, vollkostendeckende Erzeugerpreis für Bioland-Masthähnchen liegt nach Berechnungen der Bioland-Beratung bei 3,22 €/kg LG.
Die Berechnung dafür stellte Bioland-Berater Bernhard Grüb vor. Die Kalkulation beruht auf diesen Grunddaten:
Stallgröße 2 x 4.800 Plätze
63 Tage Mastdauer
10 Tage Leerstandzeit
20 Jahre Nutzungsdauer für Stallneubau und Einrichtung
Futterverwertung 1:2,4
Futterkosten: Starterfutter für 74,50 €/dt, Mastfutter für 69,10 €/dt.
In der Hähnchenmast sind die Futterkosten, die Futterverwertung sowie die Stallbaukosten wesentliche Einflussfaktoren, erklärte Grüb.
Die Teilnehmer der Tagung wünschten sich abschließend weitere Vollkostenkalkulationen für mittlere Betriebsgrößen oder die Direktvermarktung.
Selbstbewusst am Markt
Diese Vollkostenrechnungen für Bioland-Produkte seien eine wichtige Basis, um über Preise ins Gespräch zu kommen, sagte Bioland-Präsident Jan Plagge. Die Preise geben Orientierung, welche Kosten entstehen, wenn die Produkte nach den nachhaltigen Bio-Standards erzeugt werden.
Der Artikel 210a der Gemeinsamen Marktordnung ermögliche, solche höheren Preise auch einzufordern. Die Vollkostenberechnungen seien der Ausgangspunkt, um langfristig einen Mentalitätswechsel zu erreichen, hofft er. Der Unterbietungswettbewerb des Einzelhandels gehe zulasten der Erzeuger.
"Der Verband seid ihr"
Die Bioland-Geflügelhalter sollten nun gemeinsam überlegen, wie es weitergeht. Es sei notwendig, mit dem Handel immer wieder über die Vollkostenpreise zu sprechen. Inwiefern sich Bioland als Verband engagiert, müssten die Erzeuger entscheiden. „Der Verband seid ihr!“, betonte Plagge. Es gelte, die günstige Zeit der starken Nachfrage zu nutzen, um über kostendeckende Preise zu sprechen.
Der Bioland-Fachausschuss Geflügel wird sich nun mit dem Thema beschäftigen, kündigte Dr. Ulrich Schumacher von der Bioland-Fach- und Richtlinienarbeit an.
Exkursion belebt Gespräche
Die Teilnehmer der Bioland-Geflügeltagung hatten sich bei Exkursionen in Fachgesprächen auf die Tagungsthemen eingestimmt. In Hoßkirch stellte Bioland-Geflügelhalter Konrad Halder die Abpackanlage der natürlich-Bio-Ei GmbH vor. Die Packstelle bündelt Eier von Bioland- Betrieben der Bodensee-Region für den Lebensmitteleinzelhandel.
Über die französische Sortieranlage, die Halder 2023 gebraucht gekauft hat, laufen jede Woche rund 600.000 Eier. Sie werden viermal wöchentlich ausgeliefert. Die Packstelle hat gemeinsam mit den Zulieferbetrieben die schwierigen Jahre hinter sich gebracht.
Halder selbst hat zwei Jahre lang keine Hühner gehalten, um Angebot und Nachfrage nach Bio-Eiern auszubalancieren. Erst 2024 hat er wieder Hühner der ÖTZ eingestallt. „Seit Anfang 2025 ist alles in Bio knapp“, berichtete er.
Futter-Mist-Kooperation mit Nachbarn
Bioland-Geflügelhalterin Renate von Sanden vom Geflügelhof Rothäusle in Aulendorf erklärte, wie sie mit ihrem Team und Kooperationspartnern ihren Betrieb mit 11.800 Legehennenplätzen in fünf Ställen stetig weiterentwickelt. Mit dem nahegelegenen Betrieb von Stefan Weiß hat sie eine Futter-Mist-Kooperation, deren Erfolgsrezept die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit ist.
Renate von Sanden organisiert ihr Management und koordiniert die Termine. Stefan Weiß kümmert sich um Futterlieferung und den Abtransport von Mist. Wöchentlich mischt Günter Bösch mit der mobilen Mahl- und Mischanlage der Firma Hepp die Futterkomponenten von Stefan Weiß und den Ergänzer für den Bedarf der verschiedenen Herden. Jeder Stall verfügt über ein eigenes Futtersilo.
Renate von Sanden hat mit ihrem Team die ersten Hennen erfolgreich durch eine Legepause geführt. „Sie sehen danach wieder schön und kräftig aus und legen nochmal richtig gut“, ist sie ganz begeistert. Auf dem Betrieb Rothäusle werden dreimal wöchentlich Eier sortiert, gepackt und an den Einzelhandel ausgeliefert.
Geflügel-Schlachtmobil selbst gebaut
Sein selbstgebautes Schlachtmobil für Geflügel stellte Edgar Lutz den Exkursionteilnehmern vor. In einem 4,20 m langen Pkw-Anhänger mit 2,20 m Breite hat er alles untergebracht, was für die Geflügelschlachtung notwendig ist. Mit dem Veterinär hat er die Anordnung der Gerätschaften abgestimmt.
Zweimal wöchentlich fährt er Geflügelbetriebe in der Region rund um Ravensburg an und schlachtet bis zu 300 Tiere am Tag. Der jeweilige Veterinär muss informiert, aber bei der Schlachtung nicht vor Ort sein. Personal des Betriebs muss die Tiere anreichen und die fertigen Schlachtkörper am anderen Ende des Mobils abnehmen.
Lutz arbeitet im Mobil mit seinem eingespielten Team und berechnet 4 € je Tier. Das Schlachten von Gänsen und Puten ist ebenfalls möglich und kostet 11 € je Tier.
Lutz hat sich für einen recht kleinen Wirkungsradius entschieden. Denn das Team muss mit ihm an- und abreisen und er kennt die Grenzen der Belastbarkeit: „Nach vier bis fünf Stunden ist die Luft raus. Danach müssen wir noch reinigen und nach Hause fahren.“ Vor Weihnachten kann er längst nicht alle Anfragen bewältigen.