Die Ministerin hielt ein flammendes Plädoyer für die Landwirtschaft in Nordrhein-Westfalen, sparte aber auch die schwierigen Entwicklungen nicht aus: „Wir wissen, vor welchen Herausforderungen die Branche steht. Die Zahl der Betriebe mit Schweinen und Milchkühen und die Zahl der gehaltenen Tiere sind zurückgegangen, und eine Trendwende ist leider noch nicht in Sicht“, legte die Ministerin beim Fleischkongresses der Lebensmittel Praxis den Finger in die Wunde.
Gorißen rät der Fleischbranche zudem dazu, die eigene Kommunikation zu verbessern. Dann steigt auch der Fleischkonsum wieder. Gesellschaftliche Akzeptanz müsse man sich erarbeiten.
Zukunft braucht Planungssicherheit
Eine verlässliche Zukunft für den Umbau der Tierhaltung brauche am Ende Planungssicherheit, analysierte die CDU-Politikerin vor den mehr als 300 Teilnehmern am Mittwoch auf dem Petersberg bei Bonn. Doch diese gebe es auf Bundesebene derzeit nicht. Die geplante Haltungskennzeichnung für Schweinefleisch reiche nicht aus, wenn Verbraucher nicht bereit seien, höhere Preise für bessere Haltungsbedingungen bei den Tieren zu zahlen. Die Frage der Finanzierung des Umbaus der Tierhaltung sei nach wie vor ungelöst. Es gebe weder eine finanziell auskömmliche noch langfristige Finanzierungsplanung. Und das belaste Betriebe und Behörden zusätzlich bei der Frage, wie es denn tatsächlich weitergehen soll.
Tierschutzgesetz verunsichert die Tierhalter
Der von der Bundesregierung vorgelegte Entwurf für ein neues Tierschutzgesetz habe für weitere Verunsicherung gesorgt. Grundsätzlich begrüße Gorißen eine Modernisierung des Tierschutzgesetzes, um es an aktuelle wissenschaftliche und praktische Erkenntnisse anzupassen. Allerdings fehle es gerade im jetzigen Entwurf in wichtigen Bereichen der Nutztierhaltung an Praxistauglichkeit. „Hier legen wir von nordrhein-westfälischer Seite aus immer den Finger in die Wunde“, gab sich Gorißen entschlossen. Daher müsse auch die neue Bundesregierung neu ansetzen und realistische und in der Praxis umsetzbare Ansätze entwickeln.
„Die Zukunft des Fleischkonsums liegt nicht im radikalen Verzicht“
Ein wichtiger Bereich für gesundes Essen ist aus Sicht der Ministerin die Gemeinschaftsverpflegung, sei es in Schulen, Kitas oder Kantinen. Eine ausgewogene Zusammensetzung der Mahlzeiten biete gesundheitliche und ökologische Vorteile, ohne auf Fleisch zu verzichten. „Die Zukunft des Fleischkonsums liegt nicht im radikalen Verzicht, sondern in der bewussten Auswahl“, sagte Gorißen. „Durch Innovation, nachhaltige Produktion und Anpassung an die Wünsche der Verbraucher können wir den Fleischkonsum sinnvoll weiterentwickeln.“
194 Vorschläge zum Bürokratieabbau
Ein weiterer zentraler Bereich sei die ausufernde Bürokratie, die alle Bereiche betreffe. „Landwirte sehen sich mit langen Genehmigungsverfahren für neue Ställe konfrontiert. Förderprogramme sind oft zu kompliziert, Dokumentations- und Berichtspflichten kosten Zeit, Geld und Geduld“, redete die Ministerin Klartext. Landwirte sollten sich auf ihre Arbeit konzentrieren können, mehr in den Ställen und auf den Feldern präsent sein. Gorißen verwies auf 194 Vorschläge zum Bürokratieabbau die ihr Ministerium in Zusammenarbeit mit anderen Bundesländern beim Bund eingereicht habe, um die Landwirte massiv zu entlasten.
Voll des Lobes für Agrarkommissar Christophe Hansen
In Europa beobachtet die CDU-Politikerin erste Kurskorrekturen nach den Protestaktionen der Landwirtschaft. Erste Schritte seien gemacht, doch weitere müssten folgen. Regelrecht begeistert zeigte sich die Ministerin vom Antrittsbesuch in NRW des neuen EU-Agrarkommissars Christophe Hansen. „Hansen kommt aus der Landwirtschaft, hört zu und kennt die Themen der Landwirte, ein starkes Signal für Landwirtschaft und Fleischbranche“, sagte Gorißen.