Die Entwicklung der Energiepreise, geopolitische Krisen, die neue Regierung in den USA, Währungskurse – viele Faktoren beeinflussen derzeit den Düngermarkt. Trotz dieser vielen Unwägbarkeiten haben sich die Preise für stickstoffhaltige Dünger in den vergangenen Monaten mehr oder weniger seitwärts bewegt:
Kalkammonsalpeter (KAS) hält seit Ende Juni einen Kurs um die 300 €/t frei Hof – zuletzt mit leicht anziehender Tendenz.
Harnstoff mit Ureaseinhibitor kostete seit Anfang Juli bis Mitte November Kurse von 430 €/t bis 435 €/t frei Hof.
KAS unter Vorjahreslinie
Damit bewegen sich die Kurse für KAS unter der Vorjahreslinie: Im November 2023 wurden für KAS meist um 325 €/t frei Hof aufgerufen. Für Harnstoff lagen sie mit 430 €/t frei Hof auf einem ähnlichen Niveau wie in diesem Jahr. Die ganz hohen Forderungen wie im Jahr des Kriegsbeginns in der Ukraine werden nicht mehr erhoben.
Wenig Vorkäufe
Dennoch haben Landwirte in diesem Herbst weniger Stickstoffdünger für die erste Gabe im Frühjahr vorgekauft als im vergangenen Jahr. Die Aussagen von Marktbeobachtern reichen von „gut eingedeckt“ bis „maximal 50 bis 60 %“. Im vergangenen Jahr waren hier bereits 70 % des Bedarfs gekauft. Viele Ackerbauern haben auf nachgebende Forderungen für die Ware gewartet – bisher vergebens.
Mit dem Warten auf günstigere Düngerpreise haben gleichzeitig kaum Verkäufe von Getreide in der Landwirtschaft stattgefunden. Erst mit dem deutlichen Anstieg der Rapspreise ist etwas Bewegung in den Markt gekommen. Hier wurde möglicherweise auch der Kauf von Dünger berücksichtigt. Dennoch bleibt Restbedarf.
Was sind die Gründe? Der Preis für Harnstoff stieg im Herbst an. Nachfrage aus Indien hatte das Angebot auf dem Weltmarkt reduziert. Trotz neuer Düngerwerke in dem Land fragte Indien viel Ware auf dem Weltmarkt nach und kaufte große Mengen preisgünstig auf. Hinzu kam die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsidenten. Der US-Dollar zog an, und Harnstoff wird weltweit in der US-Währung bezahlt.
Gaspreis zieht wieder an
Gleichzeitig hat der Gaspreis im Laufe des Jahres angezogen (s. Übers.). Auch hier sind die Ereignisse in der Ukraine und den USA die Auslöser. Eine weitere Verknappung der Lieferungen von Gas unter anderem aus Russland, auch aufgrund weiterer möglicher Sanktionen, wird nicht ausgeschlossen. Der höhere Preis wirkt sich in jedem Fall kostenintensiver auf die Herstellung von Stickstoffdüngern in Europa aus.
Besteht über die Wintermonate noch Hoffnung auf nachgebende Kurse? Im günstigsten Fall bewegen sie sich weiter seitwärts. Neben den erwähnten Gründen könnten Logistikprobleme im Frühjahr das Geschäft erschweren. Denn auch der Handel hat sich zögerlich mit Ware eingedeckt. „Kaufen die Landwirte nicht, kaufen wir auch nicht“, ist bei einigen Händlern zu hören. In jedem Fall wird von einem knappen Angebot ausgegangen.