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topplus Junglandwirt:innen-Kongress

Herausforderungen und Chancen: Was die EU den Junglandwirten bietet

Welche Chancen und Herausforderungen bietet die EU für Junglandwirte? Das diskutierten Landjugendliche in Berlin. Dabei zeigte sich: Trotz vieler Vorteile bleibt es kompliziert.

Lesezeit: 4 Minuten

Welche Chancen und Herausforderungen die EU mit sich bringt, diskutierten Junglandwirte und Landjugendliche am Samstag in Berlin. Dort fand der Junglandwirt:innen-Kongress auf der Grünen Woche statt. 

EU-Politik ist mehr als die GAP

Nicht nur die EU-Agrarpolitik nimmt Einfluss auf junge Menschen im ländlichen Raum in Deutschland. Denn die Leitlinien, die die EU-Politik nach der Europawahl von 2024 beschäftigen, gehen weiter. Das erläuterte Dr. Thomas Obst vom Institut für deutsche Wirtschaft. So stehen auf der Agenda der EU-Kommission bis 2029 vor allem folgende Themen:

  • nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit

  • Verteidigung und Sicherheit

  • Ernährungssicherheit, Schutz von Wasser und Natur

  • Einfluss und Partnerschaften von Europa in der Welt.

Außerdem wird aktuell der Stabilitäts- und Wachstumspakt mit den Maastricht-Kriterien überarbeitet. Die Maastricht-Kriterien regeln die öffentlichen die Finanzen der Mitgliedsstaaten (max. 3 % Defizit, max. 60 % Schuldenstand).

Die Finanzen der EU und potenzielle Spannungen zwischen Nettozahlern (z.B. Deutschland) und Nettoempfängern (z.B. Kroatien, Polen) bleiben weiterhin Thema. Ein Beitritt der Ukraine könnte laut Obst zu Mehrbelastungen von 130 bis 190 Mrd. Euro führen.

Ein Dexit hätte große Nachteile

Für Obst ist allerdings trotz der schwierigen Themen klar: Deutschland gehört in die EU. Die ökonomischen Nachteile eines „Dexits“ wären zu groß. „Viele sind sich gar nicht bewusst, wie verwoben wir mit der EU sind“, sagte er. „Wir sind auf die offenen Märkte angewiesen.“

Beim Thema Bürokratie warnte er vor zu einfachen Lösungen. „Nicht jede Regelung ist schlecht. Bürokratieabbau darf kein Selbstzweck sein.“

Wichtige Import- und Exportmärkte liegen in der EU

Wie eng die europäischen Märkte zusammenhängen, konnte Robert Fenis. Handelsleiter Brot-Braugetreide bei der BayWa deutlich demonstrieren.

So gingen im Jahr 2023 rund 55 % des Getreides und 68 % der deutschen Mühlenerzeugnisse in die EU. Gleichzeitig kamen 92 % des importierten Getreides und 95 % der importierten Mühlenerzeugnisse aus der EU.

Das liegt laut Fenis in den unterschiedlichen Bedingungen im Getreideanbau. Während etwa Italien viel qualitativ hochwertigen Weizen erzeugt, kommt aus den Niederlanden mehr Futtergetreide. In Deutschland gibt es zwar beides, doch die Weizenqualitäten schwanken von Erntejahr zu Erntejahr.

Aus Sicht des Handels hob Fenis etwa die hohen Qualitätsstandards in Europa, die Transparenz und Rückverfolgbarkeit, die Produktvielfalt und die Förderung einer umweltfreundlichen Landwirtschaft hervor. Auch der Zugang zu internationalen Märkten ist für Fenis eine große Chance.

Mercosur nicht verteufeln

Der Europaabgeordnete Martin Häusling berichtete von seinen Erfahrungen im europäischen Parlament. Aktuell fürchtet er um den Zusammenhalt in Europa, einerseits durch Regierungskrisen wie in Frankreich, aber auch durch nationale Alleingänge wie z.B. von Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban.

„Europa muss nun zusammenstehen“, sagte er. Auch weil der Kurs der neuen US-Regierung unter Trump schwer kalkulierbar sei. 

Häusling, der früher ein strikter Mercosur-Gegner war, warnte auch davor, das Freihandelsabkommen Mercosur zu verteufeln. Aus seiner Sicht ist ein faires Abkommen mit den südamerikanischen Ländern wichtig, um sich Handelsvorteile zu sichern. Denn wenn Europa diese Chance nicht nutze, sei China künftig in Südamerika am Zug.

Bürokratie kommt nicht nur aus Europa

Auch die Kritik an der europäischen Bürokratie kann Häusling nur teilweise nachvollziehen. „Bürokratie kommt nicht nur aus Europa. Das können wir auch in Deutschland gut“, erklärte der Abgeordnete und zog als Beispiel die Hygieneverordnung im Lebensmittelbereich heran. Sie werde in Deutschland strikter ausgelegt als z.B. in Frankreich. Das stelle viele Direktvermarkter vor Herausforderungen. Er empfahl, häufiger in andere europäische Länder zu schauen, etwa für Anregungen beim Thema Förderung.

Fazit

„Ich muss zugeben: Ich hätte mir mehr Chancen und weniger Herausforderungen erhofft“, zog Lars Ruschmeyer, Bundesvorsitzender der Deutschen Landjugend nach der Veranstaltung ein Fazit. Trotzdem warb er für mehr Mut. Bei allen Herausforderungen dürfe man die Offenheit zu neuen Wegen und Lösungen nicht verlieren.

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