Auf dem Hof des Bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner in Günthersbühl haben am Montag Tierrechtsaktivisten demonstriert. Sie hingen ein Plakat auf, das den Landwirt als „Tierausbeuter“ beschimpft und ihn als Agrarminister ablehnt.
Felßner selbst war nicht zu Hause, sondern im Auftrag der CSU bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin.
Verdacht auf Hausfriedensbruch
Die Polizei prüft nun laut Bayerischem Rundfunk, ob sich die zwölf Teilnehmer von "Animal Rebellion" strafbar gemacht haben. Zwei von ihnen seien auf das Dach von Felßners Rinderstall im Landkreis Nürnberger Land geklettert, um das Transparent festzubinden. Weitere Aktivisten hätten sich auf dem Hof verteilt und Plakate mit Protestnoten in die Höhe gehalten, soll Animal Rebellion selbst bestätigt haben.
Lange Liste an Vorwürfen der Tierrechtler
Ihrer Ansicht nach stehe Felßner nicht für Klimaschutz und Diversität, sei für den Einsatz von Pestiziden, kämpfe für den Erhalt „klimaschädlicher Subventionen“ und gegen Flächenstilllegungen. Zudem habe er dazu aufgerufen, Produkte zu konsumieren, "für die Millionen von Lebewesen täglich ausgebeutet und grausam getötet werden", behaupten die Aktivisten.
Felßner gibt auf
Felßner selbst soll sich laut BR empört über die Aktion der Tierrechtsaktivisten gezeigt haben. Er sei "fassungslos" über "diese Radikalen", sagte er in einer Pause der Berliner Koalitionsverhandlungen dem Sender. Er habe von der Aktion erfahren, als er am Morgen in Berlin aus dem Zug gestiegen sei. Seine Frau sei völlig verängstigt gewesen.
Als Konsequenz aus dem Vorfall gab Felßner am Dienstagnachmittag bekannt, nicht weiter als Agrarminister zur Verfügung zu stehen. "Vermummte Aktivisten haben meinen Hof überfallen", sagte er. Zum Schutz seiner Familie und seines Hofes habe er daher diese Entscheidung getroffen. Das sei ein schwarzer Tag für die Demokratie. Mehr hier im Video:
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Naturschutzverein distanziert sich
Dass die Tierrechtler hier zu weit gegangen sind, zeigt auch die Reaktion der Organisationen Umweltinstitut München. Die hatte zwar zuvor mit einer Online-Petition Unterschriften gegen eine Berufung Felßners zum Bundesminister gesammelt, die jüngste Aktion von Animal Rebellion lehne man aber ab.
Fabian Holzheid, Geschäftsführer am Umweltinstitut München, sagt: „Protest gegen die Ernennung eines Agrarlobbyisten zum Minister ist legitim, darf aber die Grenzen des Anstands nicht überschreiten. Aktionen, die in die Privatsphäre von Politikerinnen und Politikern eingreifen, lehnen wir entschieden ab – sei es das Bedrängen von Bundesminister Robert Habeck durch aufgebrachte Landwirte im Januar 2024 oder nun die Aktion von Animal Rebellion auf dem Hof von Günther Felßner."