Der Mostviertler Bio Kürbishof Metz in Stadt Haag betreibt seit dem Jahr 2000 Direktvermarktung von 150 verschiedenen Speise- und Zierkürbissorten. Die Familie Metz hat zudem noch viele weitere Produkte vom Kürbis sowie selbst kaltgepresste Öle (Leinöl, Hanföl, Rapsöl, Nussöl) im Angebot.
Das Produktsortiment wird ab Hof verkauft, auf Märkten und Messen angeboten und an zahlreiche Wiederverkäufer geliefert. „Seit 2019 setzen wir zusätzlich auf die Online-Vermarktung unserer Produkte“, erklärte Karin Metz und sagte weiter: „Dadurch erreichen wir eine größere Zielgruppe, unser Kundenkreis hat sich erweitert, da nun auch Konsumentinnen und Konsumenten, die nicht ums Eck wohnen, unsere Produkte beziehen können.“
Genau hier setzt das Projekt "Zukunft Direktvermarktung NÖ: digital, innovativ, kooperativ" an. Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich, der Landesverband für bäuerliche Direktvermarkter Niederösterreich und die JA ZU NAH GmbH haben gemeinsam Vermarktungsstrategien beleuchtet und Leitfäden für die bäuerlichen Betriebe erstellt. „Unser Ziel ist es, die Direktvermarktungsbetriebe dabei zu unterstützen, den Anforderungen der modernen Märkte gerecht zu werden“, erklärten Landwirtschaftskammer NÖ-Vizepräsident Lorenz Mayr und der Obmann des Landesverbands für bäuerliche Direktvermarkter Johann Höfinger.
Fachschule Pyhra setzt auf Automaten
Auch in der Ausbildung der Hofnachfolgerinnen und Hofnachfolger spielt die Direktvermarktung eine wesentliche Rolle. Die Landwirtschaftliche Fachschule Pyhra hat diese bereits seit mehreren Jahrzehnten fest in den Lehrplan integriert. Ebenso betreibt die Schule einen Hofladen und bietet ihre Produkte seit 2021 auch über einen Automaten beim Landhaus in St. Pölten an, der von mehreren niederösterreichischen Landwirtschaftlichen Fachschulen bestückt wird.
Direktor Josef Sieder betonte: „Direktvermarktung erfordert Kenntnisse in Produktion, Marketing und auch in betriebswirtschaftlichen Aspekten. Wir wollen den künftigen Hofübernehmerinnen und Hofübernehmer beibringen, wie sie die Direktvermarktung als betriebliches Standbein nutzen und so die Wertschöpfung auf ihren Betrieben und damit in den Regionen halten können. Mit dem schuleigenen Hofladen und durch neue Vertriebswege wollen wir den Schülerinnen und Schülern einen entsprechenden Praxisbezug ermöglichen.“
Für die heimischen Direktvermarkter ist der wichtigste Vermarktungsweg nach wie vor der Ab-Hof-Verkauf. Wochenmärkte, Bauernläden oder regionale Messen werden ebenso gerne genutzt. Doch alternative Absatzwege boomen, vor allem kontaktlose digitale Vertriebswege und Automaten.
„Digitale Technologien und kontaktlose Vertriebswege bieten enorme Potenziale, um den Betrieb effizienter zu gestalten und neue Zielgruppen zu erreichen. Wir möchten die Bäuerinnen und Bauern in Niederösterreich unterstützen, die Chancen der Digitalisierung in der Direktvermarktung zu nutzen und sich optimal auf die Zukunft vorzubereiten“, sagt Lorenz Mayr.
Veränderte Verkaufswege: Digitale Wege im Aufschwung
Im Rahmen des Projekts wurden drei zukunftsträchtige Vertriebsmöglichkeiten beleuchtet: Digitale Tools und Vermarktungsplattformen, Webshop und Click & Collect sowie der Produktverkauf über Automaten. Laut einer Studie von KeyQuest im Auftrag der AMA GENUSS REGION im Jahr 2022 nutzen bereits 14 % der landwirtschaftlichen Direktvermarktungsbetriebe einen eigenen Webshop.
Auch der Verkauf über digitale Vermarktungsplattformen erfreut sich wachsender Beliebtheit, 10 % der Befragten vertreiben ihre Produkte über diesen Weg. Hinzu kommen noch digitale Tools, wie z.B. Software-Anwendungen für die Buchhaltung, die bestimmte Aufgaben erleichtern. „Die richtige Kombination digitaler Maßnahmen ist entscheidend."
Automaten: Flexibel und effizient
Auch der Verkauf mittels Automaten hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Bereits 8 % der Direktvermarkter setzen darauf. Johann Höfinger, Obmann des Landesverbands für bäuerliche Direktvermarkter Niederösterreich, betonte: „Automaten sind ein idealer Vertriebskanal für Betriebe, die ihre Produkte in ländlichen Regionen anbieten. Sie ermöglichen eine schnelle und effiziente Vermarktung rund um die Uhr und ohne zusätzlichen Personalaufwand.“
Einstieg in Online- und Automatenverkauf erleichtern
Die im Projekt erstellten Unterlagen sollen praxisnahe Informationen, etwa zur Einführung in die Online-Vermarktung, zum Warenwirtschaftsmanagement, zur Tourenplanung und zu rechtlichen Fragestellungen bieten. Sie geben Tipps für einen professionellen Online-Auftritt und ein Self-Check hilft dabei, die digitale Fitness des eigenen Betriebs einzuschätzen.
Auch Personas wurden entwickelt, um Kundenbedürfnisse gezielt zu analysieren. Speziell für den Verkauf mittels Automaten wurden Checklisten, FAQs sowie betriebswirtschaftliche Kalkulationen erstellt, um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten und Betrieben den Einstieg zu erleichtern. „Wir wollen die Bäuerinnen und Bauern nicht nur bei technischen Lösungen unterstützen, sondern bieten auch praxisorientierte Beratung zu rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen“, sagen Mayr und Höfinger.