Um die Aufmerksamkeit auf Insektenprotein und essbare Insekten zu richten, überlegte sich ein belgischer Unternehmer im Jahr 2015, einen Welt-Speiseinsekten-Tag einzuführen. Tatsächlich ploppte das Thema damals erstmal in der Öffentlichkeit auf und nach ein paar Jahren entwickelte sich ein regelrechter Hype darum.
Insektenprotein galt auf dem menschlichen Speiseplan als angesagt, weil es gesund und vor allem nachhaltig sein sollte. Auf dem Markt erschienen Burger-Patties aus Insektenmehl, Pasta und Snacks.
Dann kam ein weiterer Fokus dazu, der auch in der Agrarbranche diskutiert wurde und wird. Könnte Insektenprotein auch in Tierfutter vorkommen? Könnten Landwirte sogar selbst zu Insektenzüchtern werden?
Insekten in Lebensmitteln: Rechtliches und Verbraucherakzeptanz
Damit Insekten in Lebensmitteln verarbeitet werden dürfen, müssen sie zuerst eine Zulassung als Novel Food bekommen. Im Artikel finden Sie alles Wissenswerte zu den rechtlichen Bestimmungen und welche Insekten seit wann für den menschlichen Speiseplan zugelassen sind.
Die Verbraucher sind über die Jahre skeptisch geblieben, was den Verzehr von Lebensmitteln mit Insektenmehl angeht. Einige wittern sogar eine Verschwörung und befürchten, dass Nahrungsmittel wie Fleisch, Gemüse und Obst ersetzt werden soll.
So oder so handelt es sich bei der Insektenzucht für den menschlichen Speiseplan noch immer um einen Nischenmarkt. Daher fokussiert sich dieser Artikel auf die Insektenzucht für die Verwendung in Tierfutter.
Insekten im Tierfutter: Hier werden bereits Larven gezüchtet
Auch die Verfütterung von Insektenprotein an Nutztiere wie Schweine, Rinder und Geflügel ist gesetzlich reguliert. Diese acht Insektenarten sind aktuell (Stand 2024) als Futter zugelassen und sollen eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Futtermitteln wie bspw. Sojamehl bieten.
Hermetia illucens, Schwarze Soldatenfliege
Tenebrio molitor, Gelber Mehlkäfer (bzw. die Larve davon auch fälschlicherweise als Mehlwurm bezeichnet)
Alphitobius diaperinus, Kleiner Mehlkäfer
Bombyx mori, Seidenspinnerraupe
Musca domestica, Hausfliege
Acheta domesticus, Heimchen
Gryllodes sigillatus, Kurzflügelgrille
Gryllus assimilis, Steppengrille
Spätestens als die Rabobank im Jahr 2021 einen Wachstumsmarkt für Insektenprotein vor allem in der Aquakultur und im Heimtierfutterbereich sah, ploppte das Thema oft auf. Start-ups und Unternehmen stiegen ein und investierten.
Hermetia Baruth GmbH
Als Pionier der europäischen Insektenzucht gilt Heinrich Katz mit seinem Unternehmen, Hermetia Baruth GmbH in Brandenburg. Er hat schon 2006 eine Insektenzucht mit den drei Bereichen Reproduktion, Mast, Produktherstellung aufgebaut. Das Unternehmen steht mit vielen der weiter unten aufgeführten, später entstandenen Unternehmen in Verbindung. Katz hat zusammen mit Kees Aarts (Gründer von Protix/Niederlande) und Antoine Hubert (Gründer von Ynsect/Frankreich) den Insektenzuchtverband IPIFF gegründet (International Platform of Insects for Food and Feed).
madebymade
Im Jahr 2021 erschien die Reportage über madebymade, ein Start-up aus Leipzig, das als eines der ersten die Schwarze Soldatenfliege im großen Maßstab züchtete:
farminsect
Noch heute aktiv ist das Start-up farminsect, das top agrar hier vorgestellt hat:
Ende 2023 vermeldete das Unternehmen, dass es interessierten Landwirtinnen und Landwirten nun fixe Abnahmeverträge für erzeugte Insekten bieten könnte. Im Mai 2024 gab es dann eine Kooperation mit Agravis bekannt, bei der eine modulare Komplettlösung für die Insektenzucht vermarktet wird. Die Technik für die Insektenzucht stammt vom Hersteller für Stalltechnologie, Big Dutchman. Durch Anpassung bestehender Technik aus der Nutztierhaltung baut das Unternehmen nun Farmen für die Insektenzucht.
Illucens
Dass die Insektenzucht gewisse Ähnlichkeiten mit dem System der Schweinemast haben kann, zeigt das Unternehmen Illucens aus Ahaus. Im April 2023 suchte das Unternehmen Landwirte, die als Mäster einsteigen wollten. Illucens wollte die Junglarven anliefern und zehn Tage später die getrockneten Larven zurücknehmen.
Enorm Biofactory
Ganz aktuell ein Bericht aus Dänemark, wo ein gelernter Landwirt die größte Insektenfabrik Nordeuropas gebaut hat. Dort mästet er Larven der Schwarzen Soldatenfliege – als Schweinefutter wertvoll, aber noch viel zu teuer.
Probleme: zu hohe Kosten, zu wenig Nachfrage
Insektenprotein ist derzeit noch immer zu teuer im Vergleich zu anderen Futtermitteln.
Wenig verwunderlich daher, dass Betriebe zu kämpfen haben. Ganz aktuell ging die Meldung des französischen Unternehmens Ynsect durch die Medien, dass Gelder fehlen und es in finanziellen Nöten steckt:
Insektenprotein überhaupt in Schweinefutter geeignet?
Doch wie geeignet ist Insektenprotein überhaupt in Schweinefutter? Dieses Interview mit Expertin Dr. Susanne Rothstein gibt Antworten.
Auch auf Infoveranstaltungen wurde das Potenzial von Insektenprotein diskutiert.
top agrar Themenseite
Wer das Thema laufend verfolgen möchte, dem sei die top agrar-Themenseite ans Herz gelegt. Dort erscheinen alle Meldungen dazu.