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Fit für die Pflanzenschutz-Geräteprüfung: Tipps vom Fachmann

Wenigstens alle drei Jahre müssen Pflanzenschutzgeräte in anerkannten Kontrollbetrieben einen umfangreichen Check durchlaufen. Je besser die Spritze vorbereitet ist, umso reibungsloser geht es.

Lesezeit: 6 Minuten

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im "Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben".

Nur etwa die Hälfte aller von den Mitarbeitern der Reise Landtechnik in Lippetal geprüften Pflanzenschutzgeräte erhalten die begehrte Prüfplakette gänzlich ohne Beanstandungen und Nacharbeiten, erklärt Werkstattmeister Robert Große Hellmann.

Häufig sind es nur Kleinigkeiten, wie verstopfte oder beschädigte Düsen, die zu Mehraufwand im Rahmen der Prüfung führen. Die meisten davon lassen sich bereits im Vorfeld mit geringem Aufwand selbst beheben.

Plakette noch gültig?

Erste Arbeit vor dem Start der Pflanzenschutzsaison ist ein Blick auf die Prüfplakette. Die Pflanzenschutzgeräte müssen die Kontrolle in einem Abstand von sechs Kalender­halbjahren absolvieren. Die Überprüfung soll verschleiß- und alterungsbedingte Mängel aufdecken, die Einfluss auf die Dosier- und Verteilgenauigkeit haben können. Sind die Geräte ohne Mängel, erhalten sie eine Prüfplakette. Welche Plaketten in diesem Jahr noch gültig sind, zeigt die Übersicht.

Aber nicht nur die in der Landwirtschaft eingesetzten Anbau- und Anhängespritzen sind prüfpflichtig. Seit 2021 unterliegen fast alle Arten von Pflanzenschutztechnik der Prüfpflicht.

Lediglich Kleingeräte wie

  • Sprühflaschen und Druck­speicherspritzen,

  • Streichgeräte oder Spritzgeräte mit Rotationszerstäuber,

  • handbetätigte Rückenspritz­ge-räte oder

  • tragbare Granulatstreuer sowie weitere Kleingeräte sind ausgenommen.

In Westfalen und am Niederrhein nicht ganz ungewöhnlich ist der Fall, dass gebrauchte Pflanzenschutztechnik aus den Niederlanden zum Einsatz kommt. Plaketten aus den europäischen Nachbarländern werden in Deutschland akzeptiert, wenn die Prüfung nach der europäischen Norm EN 16122 erfolgt ist. Im Zweifel hilft der Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer weiter.

Wer genau wissen möchte, welche Anforderungen ein Pflanzenschutzgerät im Rahmen der Prüfung erfüllen muss, dem sei die „Richtlinie für die Prüfung von Pflanzenschutzgeräten 3-1.0 vom Januar 2019“ empfohlen.

Alles dicht?

Ist der Frostschutz abgelassen, ist das anschließende Spülen und Reinigen der Leitungen der ideale Zeitpunkt, um eine allgemeine Dichtigkeitskontrolle an der Maschine durchzuführen. So fallen spröde gewordene Dichtungen, geknickte oder angescheuerte Schläuche auf und können noch vor dem Prüftermin ersetzt werden.

Frostschutz: Vorsicht bei AHL

Über Winter sollten die flüssigkeitsführenden Bauteile der Spritze mit Frostschutzmittel gefüllt sein, um winterliche Schäden zu vermeiden. Frostschutz auf Alkoholbasis lässt sich wiederverwenden. Dafür die Flüssigkeit beim Ablassen durch das Einfüllsieb filtern. Bei der erneuten Verwendung bedenken, dass die Restmengen den Frostschutz verdünnen. Silikathaltige und silikatfreie Frostschutzmittel nicht mischen.

Statt spezielle alkoholbasierte Frostschutzmittel verwenden Landwirte häufig den Flüssigdünger AHL als Frostschutz.

Meister Große Hellmann hält davon wenig. Durch den dauernden Kontakt mit AHL können die Dichtungen aufquellen und sich Ablagerungen in den Leitungen lösen. Die verstopfen bei der Prüfung dann die Düsen. Deshalb sollte die Spritze nach dem Einwintern mit AHL gründlich gespült und Düsen wie auch Düsenfilter gereinigt werden.

Belastete Gelenke und Anschläge

Das Gestänge ist zum Teil großen Belastungen ausgesetzt. Hier verdienen Schweißnähte, Gestängeaufhängung, Gelenke bzw. die äußeren Gestängeelemente (wegen möglichem Hinderniskontakt) besondere Aufmerksamkeit.

Große Hellmann rät dazu, sich auch die Elemente für die Dämpfung horizontaler Schwingungen anzusehen. Häufig sind es Gummipuffer, die mit der Zeit porös werden und dann ihren Zweck nicht mehr erfüllen können.

Verfügt das Gestänge über ­eine aktive Gestängeführung, heißt es, die dafür benötigten Sensoren kalibrieren. Erst ­danach stimmt der Abstand zwischen Zielfläche und ­Düse genau.

Ordentlich Druck auf dem Kessel

Weiter geht es mit der Pumpe. Sie ist das Herzstück jeder Pflanzenschutzspritze. Zu prüfen, ob die Pumpe noch die ausreichende Leistung zur Versorgung aller Düsen sowie des Rührwerkes hat, bleibt der Werkstatt vorbehalten. Den Ölstand in der Pumpe und den Druck im Wind­kessel prüfen, kann jedoch jeder Anwender selbst, sagt Meister Große Hellmann. Sein Tipp: „Wenn die Pumpe stoßweise fördert, Schläuche pulsieren oder das Spritzbild „flattert“, ist entweder zu wenig Druck auf dem Ausgleichsbehälter (Windkessel) oder es gibt ein Problem mit der Pumpe. Häufig sind dann die Membranen beschädigt.“ Der notwendige Ausgleichsdruck im Windkessel ist davon abhängig, mit welchem Spritzdruck überwiegend gefahren wird. Angaben dazu liefert die Betriebsanleitung.

Oft vergessen: Filter und Innenreinigung

Eigentlich sollten die Filter vor dem Einwintern gereinigt worden sein. Wenn nicht, unbedingt vor der Gerätekon­trolle nachholen. Denn neben Schmutzteilen können sich auch Wirkstoffe absetzen. Gleichzeitig das Filtergewebe auf Schäden überprüfen.

Das Prüfprotokoll der Werkstatt ist recht umfangreich, Nutzer vergessen gerne die eine oder andere Komponente: Robert Große Hellmann weist deshalb auch darauf hin, die Ringleitung und Kanisterspülung der Einspülschleuse zu checken. Häufig vergessen wird die Innen­reinigung. Auch die dort montiertenDüsen müssen im entsprechenden Winkel abstrahlen oder wenn vorgesehen rotieren. Ebenfalls wichtig: Die Funktionsfähigkeit des Rührwerkes.

Düsen sauber und unbeschädigt?

Auch wenn es bei Pflanzenschutzgeräten mit großen Gestängebreiten einen erheblichen Aufwand bedeutet, lautet die dringende Empfehlung: Alle Düsen zerlegen und reinigen. Für das Reinigen rät der Fachmann zu einem Ultraschallreinigungsgerät. 3-l-Varianten gibt es im Inter­net bereits ab etwa 80 €.

„Das machen leider nur wenige, die Mühe lohnt sich aber.Die meisten Spritzen mit gründ-lich gereinigten Düsen gehenbei uns so durch diePrüfung“, sagt Robert Große Hellmann.

Was bei der Düsenprüfung oft nicht bedacht wird: Alle ­Düsen, die angebaut sind, müssen den Prüfzyklus durchlaufen. Das gilt allerdings nicht für Flüssigdüngerdüsen.

Natürlich könnte man mit Blindkappen arbeiten und diese ­später durch Düsen ersetzen. Das kann aber nicht nur Bußgelder nach sich ziehen, sondern ist auch nicht im Sinne von Anwendungssicherheit, Umweltschutz und der Vermeidung von Wirkstoffresistenzen.

Auch beschädigte Düsen können einen negativen Einfluss auf das Spritzbild haben. Gerade an Injektor­düsen, die weit aus dem Düsenstock hervorragen, brechen Teile ab. Bei größeren Ausbrüchen ist der Tausch fällig.

Um die Problemdüsen zu finden, reicht es meistens schon, einmal entlang der eingeschalteten Spritze zu schauen und das Spritzbild zu kontrollieren. „Da sieht man gleich, wenn ein Strahl nicht sauber ist, wenn ­Düsen zu sitzen oder der Spritz­kegel ungleichmäßig ist“, sagt Große Hellmann. Damit ließen sich im Vorfeld schon die meisten Mängel erkennen und beseitigen, meint er.

Checkliste

Zum Schluss eine kurze Checkliste fürdie Vorbereitung der Pflanzenschutzspritze auf die Geräteprüfung:

  • Spritze innen und außen reinigen, keine Restmengen von Pflanzenschutzmitteln im Behälter, eventuell verwendetes Frostschutzmittel restlos entfernen,

  • Behälter, Pumpe, Armaturen und Leitungssystem auf Dichtheit prüfen,

  • alle Saug-, Druck- und Düsenfilter reinigen (ein Druckfilter und bei Verdrängerpumpen zusätzlich ein Saugfilter sowie ein Einfüllsieb müssen vorhanden sein),

  • Spritze auf Unfallsicherheit überprüfen (zum Beispiel vollständiger Gelenkwellenschutz),

  • Windkessel (Druckausgleich) mit aus­reichendem Druck einstellen,

  • Gestänge auf Beschädigungen hin kontrollieren, Abstandshalter überprüfen,

  • wenn vorhanden, Gleichdruckarmatur richtig einstellen, Armaturenhebel leichtgängig machen,

  • Düsen reinigen, kein Nachtropfen, bei älteren Geräten ohne Bajonettkappe eventuell Düsenschränkung überprüfen,

  • Informationen bereithalten: Fabrikat, Gerätetyp, Baujahr, Behältergröße, Pumpen-Nennleistung, Arbeitsbreite, Düsen­bezeichnungen.

Quelle: Bayerische Landesanstaltfür Landwirtschaft

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