Unser Autor Franz Tiefenthaller, Fütterungsberater, LK OÖ, berichtet im 2. Teil der Serie zur Fütterung.
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Bei der Kalbrosémast müssen Tageszunahmen von 1.000 g realisiert werden.
Maissilage ist das Hauptgrundfuttermittel und sollte von bester Qualität sein. Die Einsatzmenge wird auf 12 kg pro Tier und Tag gesteigert. Stroh sorgt für Struktur.
Grassilage und Heu sind tabu.
Die Kraftfuttermischung kann aus hofeigenen Futtermitteln hergestellt werden. Hauptkomponenten sind Körnermais und und Getreide.
Die tägliche Futtervorlage gelingt am besten mit einer TMR (Futterplan).
Wie in jeder anderen Mast auch, lautet das Ziel beim Kalb rosé, gesunde, frohwüchsige Kälber zu halten. Denn das Ziel ist ambitioniert: Zur Schlachtung mit acht Monaten müssen die Kälber ein Lebendgewicht von 300 kg (280 bis 320 kg) erreichen. Denn je höher das Schlachtgewicht, desto höher der Erlös pro Kalb.
Mit der Fütterung müssen daher einerseits Tageszunahmen von rund 1.050 g (900 bis 1.200 g) und zudem eine helle Fleischfarbe realisiert werden. Die Ansprüche an die Fütterung bzw. Futtermittel sind also hoch.
Bei Milchtränke nicht sparen
Begonnen wird in der Kälberaufzucht mit der Tränkephase. Hier muss ein hochwertiger Milchaustauscher (MAT) zum Einsatz kommen, der einen Magermilchpulveranteil von mindestens 30, besser 50 %, aufweist. Bitte hier nicht am falschen Platz sparen! Auch die Konzentration spielt eine große Rolle und wird auf vielen Betrieben noch falsch angemischt. Richtig ist: 150 g MAT mit einem Liter Wasser anmischen.
Pro Tag sollten mindestens acht Liter Milch aus MAT vertränkt werden. Die männlichen Kälber stammen aus Milchviehbetrieben und bekommen dort meist Kuhmilch „in Hülle und Fülle“. Daher ist es wichtig, sie mit der Milchaustauschertränke nicht herunter zu bremsen.
Hohe Ansprüche an die Futtermittel
Bei der Umstellung auf die Wiederkäuerfütterung kommen zwei Hauptfuttermittel zum Einsatz: Stroh und Maissilage.
Stroh: Das Stroh sollte eine hervorragende Qualität aufweisen und wenn möglich entstaubt sein.
Heu: Heu darf, wenn überhaupt, nur in den ersten Wochen eingesetzt werden. Denn meist wird den Kälbern auf den Geburtsbetrieben neben der Milchtränke auch Heu angeboten. Damit die Futterumstellung nicht zu groß ist, kann zuerst ein wenig Heu weiter gefüttert werden. Es muss jedoch spätestens nach ein bis zwei Wochen durch Stroh ersetzt werden, da sonst die Fleischfarbe zu rot wird.
Maissilage: Die Maissilagen für Rosékälber sollten von bester Qualität und perfekt siliert sein. In der Praxis wird leider oft zu trocken mit 40 % TS und mehr siliert. Trockene Maissilagen haben jedoch das Problem der Nacherwärmung. Auf den Kalbrosébetrieben werden zudem täglich keine allzu großen Mengen entnommen und die Gefahr der Nacherwärmung an den Anschnittflächen ist groß. Daher lautet die Empfehlung, einen TS-Gehalt von 35 bis 36 % einzuhalten! Die Maissilage sollte unbedingt analysiert werden, da die Qualitäten von Jahr zu Jahr und regional sehr unterschiedlich sind.
Grassilage: Grassilage ist als Futtermittel generell tabu und sollte in der Kalbrosémast zu keinem Zeitpunkt gefüttert werden. Grund ist hier ebenso wie beim Heu ein hoher Eisengehalt, der die Fleischfarbe zu rot werden lässt.
Kraftfutter: Die Empfehlung für Kraftfuttermischungen lautet, mindestens 17 %, besser 18 % Rohprotein (XP) zu erreichen und schmackhafte Komponenten einzubauen. Alternativ kann auch eine Kälber-TMR gefüttert werden, in der ca. 15 % XP in der Frischmasse enthalten sein sollten. Bei einer Eigenmischung sollten genaue Berechnungen erfolgen, um den Rohproteingehalt einzustellen. Hier werden in der Praxis oft noch gröbere Fehler gemacht.
Wasser: Wasser ist ständig zur freien Verfügung aus Tränkschalen anzubieten. In Offenfrontställen macht das leichte Anwärmen auf etwa 8 – 10 °C Sinn. Nuckeltränken sollten nicht mehr als alleinige Wasserversorgung eingesetzt werden.
Weniger Kraftfutter, mehr Maissilage
Nach der 3- bis 4-wöchigen Milchphase beginnt die 29- bis 30-wöchige Mast. Während der Milchphase sollten die Kälber täglich rund 5,5 bis 6 Liter Milch bekommen. Die Umstellung von Milch auf Milchaustauscher ist schwierig, oft bekommen die Kälber Durchfall. Um diese Gefahr zu mindern, unbedingt gute MAT-Qualitäten einsetzen. Die Kosten schrecken oft ab, aber wenn hier die Kälber nicht gut abgeholt werden, verlieren sie zu viel Gewicht.
Eine Kraftfuttermenge von 4,5 bis gut 5 kg ist oft Standard. Allerdings ist die Branche schon jetzt mit dem Vorwurf konfrontiert, die Rosémast sei eine „reine Kraftfuttermast“ und hätte mit Wiederkäuergerechtheit nichts zu tun. Es ist zu befürchten, dass auch die NGOs früher oder später auf diesen Zug aufspringen werden.
Daher lautet das Ziel in der Kalbrosémast: Weniger Kraftfutter, mehr Maissilage! Bei guter Maissilage ist es möglich, die Kraftfuttermenge auf 3 bis 4 kg zu begrenzen. Die österreichische Maissilagequalitäten geben das her! Damit können auch große Stärkemengen und die Acidosegefahr bei den Tieren reduziert werden.
Eigene Mischung berechnen
Auf fast allen Betrieben ist es möglich, eine eigene Kraftfuttermischung umzusetzen, ohne großartig Futter zukaufen zu müssen. Viele Rosémäster sitzen in Ackerbauregionen und haben die Hauptkomponenten wie Körnermais und Getreide am Hof zur Verfügung (Übersicht 1).
Bei der Berechnung der Futtermengen zeigt sich Folgendes (Übersicht 2 und 3):
Die tägliche Kraftfuttermenge kann bei Energie auf 2 kg und Eiweiß auf 1 kg begrenzt werden.
Die tägliche Futtermenge an Maissilage sollte bis auf 12 kg Frischmasse pro Tier und Tag gesteigert werden. Diese Mengen sind auch in der Praxis erreichbar und machbar.
Auch das Stroh steigt auf 0,7 kg pro Tag an. Das ist gar nicht so wenig, doch am Ende muss ein voll ausgebildeter Wiederkäuer gefüttert werden.
Generell ist bei der Futtervorlage wichtig, die Kraftfuttersorten exakt zu rationieren. Dabei können z. B. Kraftfutterautomaten zum Einsatz kommen. In der Praxis haben sich TMR-Mischrationen bewährt. Oft werden sie mit einem Schrägmischer oder Futtermischwagen hergestellt. Gut ist es, sich Wochenfutterpläne zurechtzulegen, um die Anteile an Maissilage und Stroh kontinuierlich nach oben fahren.
Fazit: Die Rosémast hat zwar einen großen Kraftfutteranteil, aber auch einen riesen Anteil Grundfutter! Das ist das beste Argument gegen Kritiker des Produktionszweigs.