Mit Spannung erwarteten viele der 1.000 Teilnehmer das Webinar zur Impfung gegen die Maul- und Klausenseuche (MKS) der Tiergesundheit Österreich (TGÖ) am Dienstag. Mag. Florian Fellinger vom zuständigen Bundesministerium für Gesundheit und selbst Tierarzt, berichtete ausführlich über die Situation in den Nachbarstaaten, aktuelle Maßnahmen in Österreich und Reaktionen, wenn hierzulande tatsächlich in MKS-Fall auftreten sollte.
Er machte unmissverständlich klar, dass eine Durchseuchung eines Betriebes - auch wenn wohl die meisten Tiere die Virusinfektion überleben würden - keine Option ist. Das sei mit dem geltenden EU-Recht nicht vereinbar. "Die EU-Verordnung Animal Health Law (Europ. Tiergesundheitsrecht) regelt europaweit, wie mit der MKS als Krankheit der Kategorie A umgegangen werden muss. Da steht drin, dass die Krankheit beim Auftreten in einem Mitgliedstaat mit allen Mitteln getilgt werden muss."
Tiere haben enorme Schmerzen
Die Tierseuche ist hochansteckend, ein Viruspartikel reicht, um eine Infektion hervorzurufen. "Sobald ein Tier das Virus ausscheidet, geht es sehr schnell bis alle Tiere eines Bestandes angesteckt werden", berichtet Mag. Fellinger. Die Inkubationszeit beim Rind beträgt 2 bis 7 Tage und beim Schwein nur 1 bis 3 Tage.
Die Infektion mit dem MKS-Virus und führt vor allem bei Rindern und Schweinen zu schweren Symptomen: hohes Fieber, Blasenbildung am Maul, Euter und Klauen, etc. Fellinger zeigt Fotos von betroffenen Milchkühen aus Ungarn, auf denen schwere Läsionen im Maul und im Zwischenklauenspalt zu sehen waren. Bei einem Tier löste sich die Haut an der Zunge ab, die Tiere hatten Speichel vor dem Mund, ließen den Kopf hängen und hatten offensichtlich große Schmerzen. Es gibt keine Behandlungsmöglichkeiten. Fellinger appellierte an alle Landwirte, bei einem MKS-Verdacht sofort den Tierarzt bzw. Amtstierarzt zu kontaktieren. Mit Tupfer- und Blutproben kann das Virus dann nachgewiesen bzw. der Verdacht fallen gelassen werden.
EU hat Nicht-Impfpolitik beschlossen
Bei der Bekämpfung der MKS haben die Mitgliedstaaten der EU eine Nichtimpfpolitik und die sog. Stamping-out-Methode (d.h. Ausmerzen) in Kombination mit seuchenhygienischen Maßnahmen beschlossen.
Fellinger erklärt die Hintergründe: "In den 80er-, 90er Jahren wurde die MKS durch massenhafte Impfungen in Europa ausradiert. Ab dem Zeitpunkt galt Zentraleuropa als MKS frei. Damit wurden auch die MKS-Impfungen gestoppt, da ein unverhältnismäßig großer finanzieller und logistischer Aufwand dahintersteckte. Die Mitgliedstaaten einigten sich auf eine Nichtimpfpolitik."
Auch mit den aktuellen Fällen würde man nicht wieder mit Impfungen beginnen, meint Fellinger weiter. Es würden einige Argumente dagegen sprechen:
Man kann aktuell noch nicht zwischen geimpften und infizierten Tieren unterscheiden. Daher nehmen v.a. Drittstaaten keine geimpften Tiere und keine Produkte von geimpften Tieren ab. "Wir hätten hier ein massives Handelsproblem! Das würde zu großen Marktverwerfungen und damit sinkenden Erzeugerpreisen für österreichische Landwirte führen." so Fellinger.
Die Maul- und Klauenseuche ist ein Virus, von dem es verschiedene Serotypen und bis zu 80 Stämme gibt. Um Tiere dauerhaft zu schützen, "müssten Rinder acht bis 10 mal geimpft werden, um auch den richtigen Stamm zu erwischen".
Die Impfung schützt die Tiere nicht vor einer Infektion.
Impfungen in der Slowakei
Beim aktuellen MKS-Geschehen in der Slowakei und Ungarn wurde der sogenannte O-Stamm aus dem Nahen Osten/Türkei festgestellt. "In der Türkei tritt die Maul- und Klauenseuche immer wieder auf. Das ist immer der Serotyp O", berichtet Fellinger. Von dort gelangt das Virus über Tierhandel, Reiseverkehr, Tourismus oder Lebensmittel nach Europa.
Zu diesem Stamm gibt es einen passenden Impfstoff. Dieser lagert in Impfstoffdatenbanken und kann verdünnt sehr schnell ausgeliefert werden. In der Slowakei wurde bereits mit Impfungen begonnen. Auch mit Unterstützung aus Deutschland: Der dort vorsichtshalber produzierte Impfstoff nach dem MKS-Ausbruch in Brandenburg im Januar 2025 kam nicht zum Einsatz.
Zeit gewinnen: Weniger Viruslast bis zur Schlachtung
Der Impfstoff gegen die Maul- und Klauenseuche verhindert nicht die Infektion, bietet aber Schutz vor einer klinischen Erkrankung und vor allem wird auch die Ausscheidung des Virus deutlich reduziert.
In der Slowakei und in Ungarn sind aktuell große Betriebe mit mehreren Hundert, sogar Tausenden Rindern zeitgleich betroffen. Alleine die Keulung mehrerer großer Bestände und zusätzlich die seuchengerechte Entsorgung der Kadaver dauert mehrere Tage, insgesamt sogar Wochen an.
Um hier die Viruslast der betroffenen Herden zu senken und die Gefahr der weiteren Ansteckung neuer Herden in der Zwischenzeit zu reduzieren, werden die Tiere in den positiven Herden geimpft. "Es geht also nur darum, Zeit zu gewinnen", erklärt Fellinger. "Es gibt keine Möglichkeit, Tiere zu impfen und am Leben zu lassen. Alle geimpften Tiere müssen auch getötet werden."
Die Entscheidung, ob Betriebe geimpft würden, wird abhängig von der Lage und Größe des Betriebs (z.B. viehdichtes Gebiet) und den Kapazitäten bei der Keulung im Land getroffen, führt Fellinger weiter aus.
Biosicherheit: Selbst handeln!
Um sich zu schützen, werden Maßnahmen gesetzt und Verordnungen erlassen. "Aber nichts kann Sie so gut schützen, wie Sie mit Biosicherheitsmaßnahmen selbst", so Fellinger und weist auf die 7 Gebote zum Schutz vor MKS der Landwirtschaftskammer hin:
1. Gebot: Personenverkehr am Betrieb auf ein Minimum reduzieren!
2. Gebot: Den Stall nur mit Stall-Kleidung und Stall-Stiefel betreten!
3. Gebot: Gründliche Reinigung und Desinfektion von Stall-Kleidung und Stall-Stiefel!
4. Gebot: Einkauf von Tieren nur aus bekannten Beständen mit gesichertem Gesundheitsstatus.
5. Gebot: Von Jagden in Ungarn und der Slowakei sollte unbedingt Abstand genommen werden!
6. Gebot: Vom Import von Feldfutter und Einstreumaterial aus Ungarn und der Slowakei wird dringend abgeraten!
7. Gebot: Die Einfuhr von Mist oder Gülle aus Ungarn und der Slowakei ist verboten!
Impfung statt Keulung?
Auszug aus dem "Maßnahmenkatalog zur Vorbereitung und Durchführung der Notimpfung" unter tierseucheninfo.niedersachsen:
Die MKS-Ausbrüche des letzten Jahrzehnts zeigen, dass die von der EU vorgesehenen Maßnahmen, d.h. die Tötung infizierter und ggf. ansteckungsverdächtiger Bestände und die Einrichtung von Sperr- und Beobachtungsgebieten, in Regionen mit geringer bis mäßiger Viehdichte ausreichen, um die Seuche zu tilgen.
Nicht ausreichend sind die Maßnahmen in viehdichten Regionen. Dort musste die Option der vorbeugenden Tötung von Beständen in der Nähe des Seuchenherdes eingeführt werden, um die Ausbreitung der Seuchen wirksam einzudämmen. Dazu kam, dass durch zeitlich und örtlich überlappende Sperrbezirke Tiere in diesen Gebieten über Monate nicht zur Schlachtung transportiert werden konnten und daher aus Gründen des Tierschutzes getötet werden mussten.
Die gesetzlich vorgesehene Option der Notimpfung wurde zur Bekämpfung der Seuchenzüge praktisch nie genutzt, da die damit verbundenen Handelssanktionen unakzeptabel erschienen. Statt dessen wurden empfängliche Tiere in zweistelliger Millionenhöhe getötet und unschädlich beseitigt.
Markerimpfstoffe entwickelt
Angesichts der verlustreichen Maul- und Klauenseuche- und klassische Schweinepest-Seuchenzüge der letzten 10 Jahre in der EU besteht ein hohes öffentliches Interesse an der Entwicklung neuer Markerimpfstoffe. In viehdichten Regionen könnte die Impfung mit Markerimpfstoffen z.B. die vorbeugende Tötung empfänglicher Tiere in der Nähe eines Seuchenherdes ersetzen. Die von den Medien und Bevölkerung heftig kritisierten Massentötungen könnten auf diese Weise reduziert und die Akzeptanz für die anderen Bekämpfungsmaßnahmen erhöht werden.
Die Öffentliche Hand hat auf diese Forderung reagiert, und es wurden insbesondere von der EU Forschungsgelder für die Entwicklung einer neuen Generation von Markerimpfstoffen zur Verfügung gestellt. Markerimpfstoffe werden von einem serologischen Test begleitet, der die Unterscheidung von geimpften und infizierten Tieren erlaubt. Sowohl gegen MKS als auch KSP steht zur Zeit eine erste Generation derartiger Impfstoffe zur Verfügung.