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Welcher Schweinemäster ist "Typ Strohstall"?

Nicht jeder Schweinehalter kann und will seinen Stall auf höhere Haltungsformen umstellen. Welche betrieblichen und persönlichen Voraussetzungen braucht es dafür?

Lesezeit: 4 Minuten

Außenklima, Stroheinstreu und noch mehr Platz fürs Schwein: Für 2029 prognostiziert die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) einen Anteil von 10 % für die höheren Haltungsformen (HF) 3 bis 5.

Doch ist die Nachfrage der Verbraucher nach Tierwohlfleisch überhaupt groß genug dafür? Wie viel Transformation verträgt der Schweinemarkt wirklich? Und sollte wirklich jeder Schweinehalter umstellen, wenn die rechtlichen Voraussetzungen und die Vermarktung passen? Das haben zwei Praktiker und eine Beraterin am vergangenen Mittwoch auf der DLG-Wintertagung in Münster diskutiert.

Überzeugt von HF1 und 2

„Wir machen das, was der Markt fordert und honoriert“, lautet die Devise von Christian Dohrmann aus dem Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen. Der Schweinemäster bewirtschaftet knapp 14 000 Mastplätze in Haltungsform 2 nach den Standards der Initiative Tierwohl (ITW).

Gemästet wird im 14-Wochenrhythmus. Alle zwei Wochen stallt er neue Ferkel auf, in der Woche dazwischen verkauft er seine ausgemästeten Schweine. Jeden zweiten Montag und Dienstag stehen die LKWs des Viehhändlers dafür um 6 Uhr morgens auf seinem Hof parat. Alle anderen Arbeiten des Tage schließen sich daran an. „Der feste Verkaufsrhythmus hilft uns sehr, die Arbeit für unsere Mitarbeiter zu organisieren“, erklärte Dohrmann.

Dank der optimierten Prozesse kann der Landwirt seine Stallkapazitäten maximal auslasten. „In einem Tierwohlstall wäre der Zuwachs pro m² Fläche deutlich geringer. Deswegen ist ein Umstieg für mich derzeit keine Option“, begründete Christian Dohrmann. Er ist überzeugt davon, diese Entscheidung allein mit der betriebswirtschaftlichen Brille zu treffen.

Künftig könnte er sich sogar vorstellen, wieder auf den gesetzlichen Standard zurückzurudern. Denn seine Ferkel bezieht Dohrmann aus Dänemark. „Dafür werden mir jetzt schon 2 ct je kg am Schlachthof abgezogen“, sagt der Landwirt. Und die ITW will die Nämlichkeit in der Lieferkette noch stärker vorantreiben. Dohrmann könnte mit seinen Ferkeln dann aus dem System fallen.

Motiviert für HF4

Anders sieht die Situation bei Jochen Meyer aus. Er hat seine Schweinemast auf dem Betrieb im Landkreis Diepholz in Niedersachsen auf HF 4 umgestellt. Nun hält er seine insgesamt 800 Schweine in zwei Großgruppen á 400 Tieren im umgebauten Stall mit Auslauf.

Seine Motivation dafür? „In erster Linie auch die Ökonomie! Ich muss mit meinen Schweinen schließlich ebenso Geld verdienen“, sagt Meyer. Für seine Strohschweine hat er ein tragfähiges Vermarktungskonzept gefunden. Gleichzeitig wollte er sich an den Ringelschwanz heranwagen und etwas neues ausprobieren, um wieder mehr Freude an der Stallarbeit zu haben.

Um jedes Schwein trotz Großgruppe im Blick zu behalten, hat er eine Sortierschleuse mit Waage eingebaut. Anhand der Einzeltiergewichte werden die Tiere gefüttert. „Mir war wichtig, trotz HF4 in keine Arbeitsfalle zu tappen. Deswegen habe ich in die Technik investiert“, erklärt Meyer. Obendrein macht ihm die Arbeit mit der Technik sowie die Auswertung der vielen Daten aber auch viel Spaß, schmunzelte der Landwirt.

Wer ist ein „Strohtyp“?

Dr. Veronika Drexl von der Schweinespezialberatung Schleswig-Holstein gab anschließend eine Einschätzung dazu, welcher „Typ“ Schweinehalter für einen Umstieg auf höhere Haltungsformen geeignet ist.

Unter ihren Beratungslandwirten: unterscheidet Drexel zwei Typen von Schweinemästern:

  • Der „Kostenoptimierer“: Dieser Typ Landwirt setzt auf HF 1 und 2, vorausgesetzt die Ferkelherkunft passt ins ITW-System. Hier steht die intensive Mast im Vordergrund. Die Haltung von Schweinen mit Ringelschwanz spielt keine Rolle.

  • Der „Strohgutfinder“: Dieser Typ Mäster setzt auf höhere Haltungsformen. Voraussetzung dafür ist ein geklärtes Vermarktungskonzept, bei dem der höhere Aufwand entlohnt wird. Die Landwirte wagen sich an das Thema Langschwanz heran und können dafür auch Fördergelder mitnehmen.

Um erfolgreich auf höhere Haltungsformen umzusteigen, ist laut Drexl neben den baulichen und genehmigungsrechtlichen Rahmenbedingungen die innere Einstellung der Landwirte entscheidend. „Ältere Schweinehalter tun sich zum Beispiel häufig schwer mit dem Gedanken, den Betrieb nochmal umzustricken“, lautete ihre Erfahrung.

Für die erfolgreiche Mast im Tierwohlstall sollten der Betrieb und der Betriebsleiter folgende Eigenschaften mitbringen:

  • Genügend verfügbare Arbeitskraft;

  • Eine hohe Risikobereitschaft vor allem bei kurzzeitigen Vermarktungsverträgen;

  • Ein geringes Seuchenrisiko insbesondere in Hinblick auf ASP;

  • „Starke Nerven“ für die Strohernte unter gegebenenfalls schlechten Witterungsbedingungen;

  • Lust auf die Arbeit in Ställen unter kälteren Temperaturen.

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