Welche Bedeutung Humus und Bodenleben für fruchtbare Böden und sauberes Wasser haben, das diskutierten Praktiker und Wissenschaftler kürzlich auf der 2. Tagung zu Bodenfruchtbarkeit und Wasserschutz im niedersächsischen Großenkneten. Einig waren sich alle: Es lohnt sich, Boden und Fruchtfolgen wieder mehr in den Blick zu nehmen.
Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse bei den Landwirten aus der Region, sodass der Saal bis auf den letzten Platz ausgebucht war. Veranstalter waren der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) und das Ackerbauzentrum Niedersachsen, mit Unterstützung durch die Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung (GKB).
So fördern Wurzeln das Bodenleben
Welche Bedeutung das Bodenleben für Humus und Bodenstruktur hat, zeigte Prof. Dr. Kathrin Deiglmayr von der Hochschule Osnabrück. Bakterien und Pilze bauen bauen komplexe organische Verbindungen in kurzkettige lösliche Verbindungen, aber auch in Nekromasse um. Letztere bildet einen Teil des organischen Kohlsenstoffvorrats im Boden. Regenwürmer mischten diese organische Substanz in verschiedene Bereiche des Bodens. Allerdings betonte sie auch: „All das funktioniert am besten durch eine intensive Durchwurzelung, da die Wurzeln den Mikroorganismen wichtige Lebensräume und Nahrung bieten.“
Drei Ansatzpunkte sind laut der Bodenkundlerin für ein aktiveres Bodenleben wichtig:
Ständige Begrünung durch vielfältige Fruchtfolgen, Zwischenfrüchte, Beisaaten und Untersaaten,
organische Düngung und Streu auf der Bodenoberfläche für einen ständigen Input an organischen Kohlenstoffverbindungen und
weniger Bodenbearbeitung, um das Porensystem und tiefreichende Regenwurmgänge zu erhalten.
Böden vor Verdichtungen schützen
Wie wichtig es ist, das Porenvolumen durch bodenschonendes Arbeiten zu erhalten, berichtete PD Dr. Joachim Brunotte von der Gesellschaft für konservierende Bodenbearbeitung. So könnten schon einfache Managementmaßnahmen helfen, das Bodengefüge zu schützen. Dazu gehören z.B. angepasster Reifendruck oder, dass Häckselketten nicht in der gleichen Spur fahren.
Häufiges Tiefenlockern lehnt Brunotte ab, da eine leicht verdichtete Krumenbasis den Unterboden vor tiefergehenden Verdichtungen schützen könne. Wichtig sei aber, dass Regenwürmer die Krumenbasis noch durchwandern könnten. Brunotte empfiehlt Praktikern, sich mit einer Feldgefügeansprache selbst ein Bild von ihren Böden in circa 40 cm Tiefe zu machen.
Was leistet die Regenerative Landwirtschaft?
Welche Elemente der regenerativen Landwirtschaft sich positiv auf Boden und Wasser auswirken, hat Dr. Kurt Möller vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg untersucht. „Regenerativ wirtschaftende Landwirte machen viel richtig“, sagte er. Dazu gehörten z.B. die dauerhafte Begrünung und der aufmerksame Umgang mit dem Boden.
Kritisch sah er aber vor allem die Maßnahmen, für die es keine wissenschaftlichen Belege gebe. Dazu gehören z. B. die Düngeempfehlungen nach Kinsey, der Einsatz von Komposttee oder effektiver Mikroorganismen. Zudem warnte er vor übertriebenen Hoffnungen an den Humusaufbau, da sich die Humusgehalte nur in einem begrenzten Maß steigern lassen, der u.a. von Bodenart und Standort abhängt.
Wie Zwischenfrüchte und Begrünung das Grundwasser schützen
Dass Zwischenfrüchte das Grundwasser effektiv vor Nitratauswaschungen schützen können, demonstrierte Andrea Knigge-Sievers von der Düngebehörde Niedersachsen. Die Düngebehörde untersucht auf mehreren Versuchsstandorten in Niedersachsen die N-Min-Werte und Nitrateinträge.
Hier zeigte sich, dass die Zwischenfrüchte gerade auf sandigen Standorten unverzichtbar sind, um die Nitrateinträge effektiv zu begrenzen. Aus Sicht der Wasserschützer reichen Zwischenfrüchte allein auf den N-nachliefernden Standorten nicht aus. Hier gehören aus Sicht der Düngebehörde auch angepasste Düngemengen dazu, um die Nitrateinträge weiter zu reduzieren.
Den Boden immer im Blick: Zwei Praktiker berichten
Zwei niedersächsische Landwirte berichteten zudem von ihren Strategien, wie sie in der Praxis das Bodenleben fördern und ihre Böden schützen.
Biolandwirt Jan Wittenberg aus Mahlerten setzt auf pfluglosen Ackerbau und auf vielfältige Fruchtfolgen. Besonders der Anbau von Leguminosen wie Luzerne oder Lupinen ist für ihn ein Kernelement. Wittenbergs Philosophie bei der Bodenbearbeitung ist: Flach, waagerecht schneidend und sortierend. Mit seinem Treffler-Flachgrubber arbeitet er in 2 bis 6 cm Tiefe. Damit will er Unkrautsamen zum Keimen anregen und anschließend ausstriegeln, oder sie durch eine Streuauflage unterdrücken: Hauptsache die Kulturpflanze hat einen Wettbewerbsvorteil.
Ganz auf Bodenbearbeitung verzichtet Landwirt Burkhard Fromme aus Scheppau. Stattdessen setzt er auf Direktsaat und Planting Green – auf Böden mit bis zu 60 % Tonanteil. „Wir können uns die Erosion nicht mehr leisten“, steht für ihn fest. Für Vielfalt sorgen weite Fruchtfolgen und Zwischenfruchtmischungen mit 9 Mischungspartner. Die Zwischenfrucht muss bei ihm spätestens 8 Stunden nach dem Drusch in der Erde sein.
Im nächsten Frühjahr sät er die Folgekultur direkt in die gewalzte Zwischenfrucht - die Mulchauflage hilft ihm Ungräser wie den Fuchsschwanz zu unterdrücken. Seit einigen Jahren setzt er zudem auf Mob Grazing mit Schafen, die die Flächen organisch düngen und so das Bodenleben fördern. Mit intakten Böden will Fromme zukünftige Wetterextreme abpuffern können, zudem kann er nach einigen Angaben Pflanzenschutzmittel einsparen.