Im März erwacht das Grünland bei steigenden Bodentemperaturen aus der Vegetationsruhe. Zum Vegetationsbeginn ist der richtige Zeitpunkt für Pflegemaßnahmen wie Schleppen, Striegeln und Walzen aber auch für die Düngung.
Denn das Gras benötigt passend zum Wachstumsbeginn genügend Nährstoffe. Kommen sie zu spät, wirkt sich das auf den Ertrag beim ersten Schnitt aus, kommen sie zu früh, besteht das Risiko von Nährstoffeinträgen in die Umwelt. Achten Sie dabei auf die Befahrbarkeit, um die Grasnarbe möglichst nicht zu schädigen.
Wie ist die regionale Situation im Grünland?
Die warmen Tage in der letzten Woche mit tagsüber bis zu 20 °C haben die Entwicklung der Bestände gefördert. Gleichzeitig gab es aber auch in vielen Regionen Nachtfröste. Daher sind die Bestände bundesweit aktuell unterschiedlich weit entwickelt.
Temperatursumme für Düngeplanung nutzen
Ein gutes Werkzeug, um zu prüfen, wie weit die Bestände sind, ist das Beratungsmodul Grünlandtemperatursumme von ISIP. Dieses Prognosemodell bestimmt den regionalen Vegetationsstart des Grünlands. An den regionalen Werten orientiert sich auch die Offizialberatung bei ihren Düngeempfehlungen.
Wie weit die Bestände in Ihrer Region sind, können Sie auf der interaktiven Karte von ISIP nachschauen. Hier finden Sie zudem weitere Daten, wie z.B. Niederschlagsdaten von Wetterstationen.
Die Symbole auf der Karte bedeutend Folgendes:
rot: Der Vegetationsbeginn wird innerhalb der nächsten 10 Tage nicht erreicht. Die Prognose der Temperatursumme liegt unterhalb des Wertes 170. Keine Düngeempfehlung.
gelb: Die Prognose für die Temperatursumme liegt zwischen 170 und 200. Düngen ist möglich, wenn es Witterung und die Bodenbedingungen zulassen.
grün: Der Vegetationsbeginn steht unmittelbar bevor oder ist erreicht. Die Prognosewerte für die Temperatursumme erreichen oder überschreiten den Wert 200.
Denn der Vegetationsbeginn gilt als erreicht, wenn die Temperatursumme 200 °C erreicht. Das ist aktuell vor allem im Westen Deutschlands an Rhein und Ruhr der Fall. Doch auch in anderen Regionen wie z.B. großen Teilen Sachsens und dem niedersächsischen Raum Weser-Ems kann man mit der Düngeplanung beginnen. In diesem Jahr sind die Bestände aber noch nicht so weit wie 2024 zur gleichen Zeit im März.
So funktioniert die Temperatursumme Grünland
Die (korrigierte) Temperatursumme (kT) errechnet sich aus der Summe der positiven durchschnittlichen Tagestemperaturen ab dem 1. Januar. Die Tageswerte aus dem Januar werden dabei mit dem Faktor 0,5 multipliziert, die aus dem Februar mit 0,75 und die Messwerte aus dem März werden voll (Faktor 1) angerechnet.
Allerdings ist hierbei zu beachten, dass die Grünlandtemperatursumme nicht alle Standortfaktoren berücksichtigt. Deshalb kann es in der Praxis zu Abweichungen kommen.
So schreibt Dr. Tammo Peters, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, in einem Beitrag zum Thema klimafittes Grünland: „Allerdings berücksichtigt dieser Richtwert nicht die standortspezifischen Kenngrößen wie Bodentyp oder Grundwasserflurabstand. Dadurch ist der Vegetationsbeginn im Grünland laut dieser Definition für andere Standorte nur bedingt gültig. So zeigen detaillierte Untersuchungen zum Grünland-Vegetationsbeginn in Schleswig-Holstein z.B., dass der nachhaltige Wachstumsbeginn je nach Standortgegebenheiten zwischen einer kT-Summe von 190 und 290°C schwankt (Bockwoldt et al. 2018). “
Weitere Signale für den Vegetationsstart
Neben der Temperatursumme gibt es aber noch weitere Signale für den Vegetationsstart. So rät der Praxisleitfaden „Grünlandsignale“ dazu, einen Blick in den Boden zu werfen. Hier zeigen weiße Wurzelspitzen an den Graspflanzen, dass das Frühjahrswachstum begonnen hat.
Auch Pflanzen, wie z. B. blühende Weidenkätzchen oder Huflattich am Feldrand sind ein guter Indikator für den Wachstumsbeginn im Grünland.