Die Landwirtschaft wird zunehmend zum Ziel von Diebstählen und Vandalismus. Betroffen sind meist Direktvermarkter, die Produkte wie Eier, Fleisch und Honig aus Automaten oder im Hofladen – meist auf Vertrauensbasis – verkaufen. Großer finanzieller Schaden entsteht zudem bei Diebstählen in der Landtechnik: sei es der Diesel, die GPS-Empfänger, Steuergeräte oder die Maschine selbst. Im Januar erlebten niederländische Bauern eine Diebstahlserie, bei der Maschinen im Wert mehrerer 100.000 € geraubt wurden.
Videoüberwachung als Präventionsmaßnahme
Aus diesem Grund ziehen viele Landwirte die Videoüberwachung in Betracht – sie kann den Schaden dokumentieren und Täter abschrecken. Auch für das Monitoring des Tierbestandes, beispielsweise in Schweineställen oder auf Reiterhöfen, sind Kameras beliebt.
Die richtige Kamera für den Hof finden
Ab etwa 60 € sind einfache Modelle erhältlich, während komplexere Systeme im hohen dreistelligen Bereich liegen. Sie bieten zusätzliche Funktionen: So können sie z. B. mit künstlicher Intelligenz Bewegungen von Menschen, Tieren oder Fahrzeugen unterscheiden. Angesichts der Vielfalt ist die Auswahl des richtigen Systems entscheidend:
Grundsätzlich sollten die Kameras auch bei schlechten Lichtverhältnissen klare Bilder liefern und mit mindestens 1080p (Full HD) oder besser noch 2160p (4K) ausgestattet, sowie infrarotfähig für Nachtaufnahmen sein.
Eine wetterfeste Bauweise, mindestens mit der Schutzart IP65 ist empfehlenswert. Der IP-Wert besteht aus zwei Ziffern: Die erste (0-6) beschreibt den Schutz gegen feste Partikel, die zweite (0-9) den Schutz gegen Flüssigkeiten.
Wenn es eine besonders robuste Kamera sein soll, bietet sich ein Modell mit schlagfestem Gehäuse an, zu erkennen am Stoßfestigkeitsgrad IK. Die Skala reicht von IK00 (kein Schutz) bis IK10 (höchster Schutz).
Viele Kameras funktionieren heute per WLAN. Einsatzsicherer sind jedoch kabelgebundene Systeme. Auch Kameras, die ihr Signal per Mobilfunk übertragen, bietet der Markt. Für die Systeme reichen oft schon wenige GB pro Monat aus. Dennoch müssen zusätzliche Kosten berücksichtigt werden.
Die Daten landen lokal auf einer Festplatte, auf einer Speicherkarte oder in einer Cloud. Einige Kamerahersteller bieten zusätzlich eine App an – so kann der Landwirt auch von Unterwegs alles im Blick haben.
Weitere Auswahlmöglichkeiten gibt es beim Stromanschluss: Solarbetriebene Kameras sind im Feld empfehlenswert. Im Hofladen eignen sich solche, die per Netzteil oder über ein Kabel mit Strom versorgt werden.
Datenschutzrechtliche Aspekte beachten
Die Installation einer Überwachungskamera sollte nicht nur technisch sondern auch rechtlich sitzen. Denn besonders datenschutzrechtlich lauern hier Fallstricke. Im folgenden Interview mit Rechtsanwalt Dr. Lennart Schmitt klären wir die drängendsten Fragen: