In Polen sind in der Rübenkampagne 2024/25 fast 2,58 Mio. t Zucker erzeugt worden. Das sei das höchste Ergebnis in der Geschichte der polnischen Zuckerindustrie, berichtete der Verband der Zuckerproduzenten (ZPC).
Da der Inlandsbedarf bei rund 1,7 Mio. t liegt, errechnet sich ein Überschuss von etwa 900.000 t. In den vergangenen Jahren betrug der Anteil der Zuckerexporte an der Produktion im Mittel rund 30 %. Ausgeführt wurde der überschüssige Zucker zuletzt vor allem nach Deutschland, Italien, Ungarn und Rumänien sowie Großbritannien, Israel und in die Vereinigten Arabischen Emirate.
Drei deutsche Zuckerhersteller in Polen aktiv
Die Zuckerkampagne 2024/25 begann laut ZPC am 22. August 2024 in der Zuckerfabrik Glinojeck, die zu Pfeifer & Langen Polska gehört. Beendet wurde sie am 3. Februar 2025 in der Zuckerfabrik Strzelin, die von Suedzucker Polska betrieben wird.
Die mittlere Dauer der Kampagne betrug dem Verband zufolge bei allen vier Herstellern - neben den beiden genannten die Krajowa Grupa Spożywcza und Nordzucker Polska - 135 Tage, was in etwa der Dauer von 2023/24 entsprach.
Krajowa Grupa Spożywcza betreibt in Polen insgesamt sieben Zuckerfabriken. Pfeifer & Langen sowie Südzucker verfügen in dem Nachbarland über jeweils vier Werke, Nordzucker über zwei.
5 % mehr gerodet
Nach Angaben von ZPC rodeten die polnischen Landwirte 2024 im Schnitt 67,19 Tonnen Zuckerrüben pro Hektar; das waren 5% mehr als im Jahr zuvor. Die gut 26.100 Rübenbauern, die mit den Verarbeitern Lieferverträge abgeschlossen hatten, lieferten insgesamt 18,43 Mio. t Zuckerrüben an die Fabriken. Auch das war eine neue Höchstmenge und bedeutete ein Plus von 9 % gegenüber 2023/24.
Österreich kritisiert Ukraine-Importe
Österreichs Rübenbauern sorgen sich um ihre Zukunft und die ihrer europäischen Berufskollegen. Grund dafür sind die umfangreichen Lieferungen von ukrainischem Zucker in die Europäische Union.
Für die ersten fünf Monate 2025 wurde das zollfreie ukrainische Kontingent auf rund 109.500 t festgelegt; zuvor waren es sogar 262.600 t. Dies hatte zu massiven Marktverwerfungen und einem enormen Preisverfall bei Zucker geführt. Das gegenwärtige Freihandelsabkommen müsse wieder auf das bisherige Maß von 20.000 t reduziert werden, fordert der Präsident der österreichischen Rübenbauern und Vizepräsident der Vereinigung der europäischen Rübenanbauer (CIBE), Ernst Karpfinger.
„Die Überversorgung des europäischen Marktes mit Zucker, der unter deutlich schlechteren Standards produziert wird, gefährdet den Fortbestand der jahrzehntelangen Tradition der Rübenproduktion in Europa“, warnte Karpfinger. Für die europäischen Anbauer sei es schwierig genug, in einem schrumpfenden Nachfragemarkt in Zeiten ständiger Preisvolatilitäten und rasant steigenden Produktionskosten eine wirtschaftliche Rübenproduktion aufrechtzuerhalten. Deshalb dürfe die EU-Kommission mit neuen Freihandelsabkommen oder einer Erweiterung bestehender nicht noch mehr Druck auf die Rübenbauern aufbauen.
Nach Ansicht von Karpfinger wirkt der EU-Marktzugang der Ukraine nicht bei den dortigen Kleinbauern oder der Bevölkerung. Vielmehr spiele er einigen wenigen Agrarholdings in die Hände, die mehrere Hunderttausend Hektar bewirtschafteten und nicht einmal ihren Firmensitz in der Ukraine hätten. Zudem seien die Produktionsstandards in der Ukraine bei Weitem nicht mit jenen in der EU vergleichbar. „Allein in der Zuckerrübenproduktion werden unzählige Pflanzenschutzmittel verwendet, die in der Europäischen Union überhaupt nicht erlaubt sind“, so der Verbandspräsident.