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topplus Fit für den Ringelschwanz

So verbessern Sie die Darmgesundheit Ihrer Schweine

Die Darmgesundheit hat einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden von Schweinen. Anhand von Wasserqualität, Fütterung und Stallklima können Landwirte sie gezielt verbessern.

Lesezeit: 7 Minuten

Die Haltung von Schweinen mit ­intaktem Ringelschwanz ist für viele Landwirte immer noch eine Herausforderung. Schweinehalter müssen sich aber langfristig mit dem Kupierverzicht auseinandersetzen. Denn mit der Einführung des Aktionsplans Kupierverzicht im Jahr 2018 wurden die europäischen Vorgaben dazu in deutsches Recht überführt. Um den Anteil unkupierter Schweine zu erhöhen, sollen Landwirte die Haltungsfaktoren in ihren Betrieben auf das Risiko von Schwanzbeißen analysieren und Verbesserungen durchführen.

Dennoch werden in Deutschland weiterhin rund 95 % der Schweine kupiert. Skandinavische Länder sind in puncto Kupierverzicht deutlich erfolgreicher. In schwedischen Betrieben tritt Schwanzbeißen bei maximal 2 % der Tiere auf. Und das trotz wenig zusätzlichem Beschäftigungsmaterial. Wie lautet das Geheimnis der Schweden?

Schnell gelesen

  • Die Darmgesundheit beeinflusst das Auftreten von SINS-Symptomen, zu ­denen auch Schwanznekrosen zählen.

  • Schweine müssen genügend Wasser aufnehmen, damit ihr Stoffwechsel funktioniert. Auch die Tränkehygiene ist wichtig.

  • Das Futter sollte ausreichend Rohfaser enthalten und nicht zu viele feine Partikel.

  • Auch Hitzestress wirkt negativ auf die Darmtätigkeit. Sorgen Sie vor allem im Sommer für genügend Abkühlung.

Endotoxine machen krank

Um erfolgreich unkupierte Schweine zu halten, sollten Landwirte die Tiersignale genau beobachten. Der Langschwanz ist dabei ein wichtiger Tierwohlindikator. Ein hängender oder wedelnder Schwanz liefert erste Hinweise auf Probleme. Er kann z. B. auf Verdauungsstörungen und Fieber hindeuten.

Außerdem sollten Tierbetreuer besonders auf die Ohren, die Klauen, das Haarkleid, die Zitzen und das Gesicht achten. Treten hier entzündliche Veränderungen wie gestaute Blutgefäße, Rötungen und Nekrosen, also absterbendes Gewebe, auf? Grund dafür können systemische, den ganzen Körper betreffende, Entzündungen sein. Das Krankheitsbild nennt sich „Entzündungs- und Nekrosesyndrom des Schweines“ (SINS). Bei der Ausprägung von SINS spielen verschiedene Haltungsfaktoren sowie genetische Einflüsse eine Rolle.

Auslöser für solche systemischen Entzündungen sind bakterielle Bestandteile, sogenannte Endotoxine, die aus dem Darm in den Körper übergehen. Normalerweise werden sie durch die Leber herausgefiltert und gelangen nicht in den Körper. Ist die Leber jedoch durch Mykotoxine, Stress oder gesteigerte Stoffwechselprozesse belastet, vermindert sich die Entgiftungsfunktion.

Im Blut lösen die Endotoxine eine Immunreaktion aus und fördern Entzündungen, die fei­ne Blutgefäße, z. B. im Schwanz, schädigen und verstopfen können. Die daraus resultierenden Nekrosen können das Risiko für Schwanzbeißen noch weiter erhöhen.

Eine gute Darmgesundheit ist deshalb ein entscheidender Faktor für die Haltung mit Ringelschwanz. Unterschiedliche Faktoren können sie empfindlich beeinträchtigen, wie die Übersicht zeigt. Zwischen ihnen können zudem Wechselwirkungen auftreten, sodass sie sich gegenseitig verstärken. Hat man diese Faktoren identifiziert, können Landwirte gezielt gegensteuern und die Darmgesundheit ihrer Schweine mit einfachen Maßnahmen verbessern.

Ausreichend Wasser anbieten

Zunächst sollte man das Tränkewasser genauer unter die Lupe nehmen. Denn Wasser ist das wichtigste und erstlimitierende Futtermittel für Schweine. Eine ausreichende Wasseraufnahme ist essenziell für die Stoffwechselprozesse und die Regulation des Wärmehaushaltes.

Nehmen Schweine zu wenig Wasser auf, steigt das Risiko für Hitzestress und der Körper gleicht den Flüssigkeitsmangel durch die Aufnahme von Wasser aus dem Darm aus. Das führt wiederum zu einer festen Kotkonsistenz, Verstopfungen und einer längeren Verweildauer des Kots im Darm. Dadurch können sich Darmbakterien stärker vermehren und große Mengen an Endotoxinen freisetzen.

Einflüsse auf die Darmgesundheit von Schweinen

In vielen Ställen werden die Schweine ausschließlich über Nippeltränken mit Wasser versorgt. Natürlicherweise suchen Schweine jedoch nach offenen Wasserquellen am Boden und schlürfen es von der Oberfläche. Deshalb nehmen sie an Schalentränken deutlich mehr Wasser auf. Dabei sind taillierte Schalentränken für sie häufig attraktiver als eingehauste Schalen.

Schweinehalter sollten die Tränken zudem nicht im Kotbereich der Bucht platzieren. Denn dort werden die Schalen häufig verschmutzt. Besser platziert sind sie an eigenen Tränkeinseln oder in der Nähe des Futterautomaten. In der Praxis hat sich ein Tier-Tränkeplatz-Verhältnis von 1:20 bis 25 Tieren bewährt. Durch eine häufige Benutzung bleiben die Schalen sauber.

Zudem sollten Landwirte die tatsächliche Wasseraufnahme mit Wasseruhren überwachen. Bei Aufzuchtferkeln liegt der Grundbedarf bei 1 bis 2,9 l/Tier/Tag, bei Mastschweinen zwischen 3 und 9,8 l/Tier/Tag. An heißen Tagen sollten Sie Hitzezuschläge zurechnen. Bei über 22° C nimmt der Wasserbedarf etwa um 1,45 % pro Grad Celsius zu. Je nach Temperatur und Alter benötigen Aufzuchtferkel daher 100 bis 500 ml mehr Wasser pro Tag, Mastschweine 500 bis 1.500 ml zusätzlich.

Auf die Wasserqualität achten

Auch die Wasserqualität spielt eine wichtige Rolle. Viele schweinehaltende Betriebe beziehen ihr Wasser zwar in Trinkwasserqualität aus dem öffentlichen Wassernetz. Im Leitungssystem des Stalles kann sich allerdings ein Biofilm bilden. Diesen kann man sich als Bakterienrasen unterhalb einer Schleimschicht vorstellen, der von den Tränken in das Rohrsystem einwächst. Darüber werden kontinuierlich Endotoxine freigesetzt und es können sich Krankheitserreger ansiedeln.

Für eine gute Wasserqualität sollten Landwirte ihr Tränkewasser regelmäßig hygienisieren. Das gilt vor allem, wenn Schalentränken verbaut sind. Denn in offenen Wasserflächen bilden sich besonders häufig Biofilme. Je nach Mineralgehalt des Wassers kann die Hygienisierung zum Beispiel auf Chlorbasis oder per Elektrolyse erfolgen.

Bei der Hygienisierung von Schalentränken müssen Landwirte zudem darauf achten, dass das Desinfektionsmittel auch in offenen Wasserflächen wirkt. Als Mittel auf Chlorbasis eignet sich dafür z. B. Natriumhypochlorit. Bei Verfahren auf Elektrolysebasis gibt es keine Probleme mit der Wirksamkeit.

Den Erfolg der Wasserdesinfektion kann man anhand des Redoxpotenzial über eine pH-Elektrode prüfen. Werte zwischen 500 und 750 Millivolt (mV) deuten auf eine gute Wirksamkeit hin. Als Kontrollpunkt eignet sich eine Tränke am Ende des Leitungssystems.

Gut verdauliches Futter

Auch die Fütterung hat einen großen Einfluss auf die Darmgesundheit. Hohe Rohprotein- und Stärkegehalte bei gleichzeitig niedrigen Rohfasergehalten sowie ein zu feiner Vermahlungsgrad verkürzen die Magen-Darm-Passage. Im Futter enthaltene Nährstoffe werden dann nicht mehr ausreichend aufgenommen und stehen den Darmbakterien nicht zur Verfügung.

Deshalb sollten Schweinehalter einen besonderen Fokus auf die Rationsgestaltung legen. Viele Betriebe arbeiten mit niedrigen Weizenanteilen von 10 bis 25 % in der Aufzuchtphase und steigern sie dann in der Mast. Hauptfutterbestandteil in der Aufzucht ist häufig Gerste, die mit zunehmendem Alter der Tiere dann reduziert wird. Als zusätzliche Rohfaserträger werden oft Hafer oder Luzerne eingesetzt. Rohfasern oder Faserstoffe fördern das Wachstum guter Darmbakterien, stabilisieren die Darmbarriere und wirken Entzündungen entgegen. Luzerne hat durch seinen Salicylatgehalt zusätzlich eine entzündungshemmende Wirkung.

Daneben spielt auch die Futterstruktur eine wichtige Rolle. Den Vermahlungsgrad des Futters sollten Schweinehalter regelmäßig mithilfe eines Schüttelsiebs überprüfen. Der Anteil feiner Partikel unter 1 mm sollte maximal 30 % betragen. Pelletiertes Futter ist wegen der feinen Vermahlung der Grundkomponenten für Schweine mit Ringelschwanz eher ungeeignet.

Auch die Futterqualität wirkt sich auf die Darmgesundheit und die Entstehung von SINS-Symptomen aus. Mykotoxine im Futter können den Darm und die Leber schädigen. Vor allem Eigenmischer sollten ihr Getreide vor dem Verfüttern daher unbedingt untersuchen lassen. Über eine mechanische Getreidebehandlung und den Zusatz von Mykotoxinbindern (zum Beispiel Gesteinsmehle, Bierhefe) lässt sich der Gehalt im Futter senken.

Hitzestress vermeiden

Auch Hitzestress kann sich negativ auf die Darmgesundheit auswirken. Er kann durch Verdauungswärme und die Haltungsumgebung entstehen. Schweine sind Liegendkühler. Sie können nicht ausreichend schwitzen und müssen daher ihre überschüssige Körperwärme an die Umgebung abführen.

Damit der Körper nicht überhitzt, wird die Haut der Schweine vermehrt durchblutet. Gleichzeitig wird die Blutversorgung der inneren Organe reduziert, insbesondere die des Darms. Sauerstoff- und Nährstoffmangel schädigen die Darmwand, sodass die Darmbarriere durchlässig wird.

Schweinehalter sollten daher vor allem an heißen Tagen für ausreichend Abkühlung in den Ställen sorgen. Dabei helfen zum Beispiel Wasservernebelungen oder Mikrosuhlen. Böden und Wände aus Kunststoff weisen eine niedrige Wärmeleitfähigkeit auf. Betonspalten, Stahlroste oder Metallstreckböden haben eine bessere Kühlwirkung.

Außerdem empfiehlt es sich, die Futterration bei heißen Außentemperaturen anzupassen. Proteinarme, faser- und fettreiche Rationen sorgen für weniger Verdauungswärme und wirken damit Hitzestress entgegen.

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