In Deutschland erzeugen gut 30.000 Windräder etwa ein Drittel unseres Stroms. Windkraft ist mit Abstand der wichtigste Energieträger. Allerdings ist die Erzeugung kompliziert: Bei Flaute bringen die Anlagen nichts, und wenn der Wind zu kräftig weht, werden sie gestoppt, um das Netz nicht zu überlasten.
Das prangern Windkraftgegner stets als erstes an und verweisen auch gleich auf staatliche Subventionen. Ihrer Meinung nach wären Windräder ohne den Staat gar nicht rentabel und am Ende würden sich nur die Investoren und Betreiber die Taschen voll machen, während der Verbraucher mit höheren Strompreisen die Zeche zahlen müsse.
Für die Partei AfD gefundenes Fressen. "Wir reißen alle Windkraftwerke nieder, nieder mit diesen Windmühlen der Schande", sagte AfD-Kanzlerkandidatin Alice Weidel kürzlich auf ihrem Parteitag. Würde die AfD also wirklich die Betreiber enteignen, mit Steuergeld entschädigen und den Verpächtern der Flächen die Einnahmen nehmen wollen? Das war Thema der Sendung „Klartext“ im ZDF am Donnerstagabend.
Womit die Stromproduktion aus Wind und die Gewerbesteuerausfälle ausgleichen?
Aus dem Publikum hatte Wolfgang Stapelfeldt (63) eine berechtigte Frage an die Politikerin. Stapelfeldt ist ausgebildeter Landwirt, CDU-Mitglied, Landesvorsitzender bei BWE LV Schleswig-Holstein und Geschäftsführer von zwei klassischen Bürgerwindparks in Emmelsbüll-Horsbüll.
Der Windenergieexperte schilderte Frau Weidel, dass mehr als 1.000 Bürger als Miteigentümer aktiv an seinen Windparks beteiligt seien. Allein in Schleswig-Holstein würden jährlich 140 Mio. € Gewerbesteuerzahlungen aus den erneuerbaren Energienanlagen in die Ämter und Gemeinden fließen. Von dem Geld hätte z.B. seine Gemeinde eine abbruchreife Schule zu einem neuen Gemeindezentrum umbauen können.
„Die Windkraft bringt enorme Wertschöpfung in die ländlichen Räume und hat mittlerweile 125.000 zukunftssichere Arbeitsplätze geschaffen. Ein Drittel des produzierten Stroms in Deutschland stammt inzwischen aus Windenergie. Die AfD will die Windkraft abschaffen. Wie wollen Sie die 34 % der Stromproduktion aus Wind in Deutschland kompensieren? Und wie wollen Sie den Gemeinden helfen, die durch diese Streichung Einnahmeausfälle erleiden würden?“, fragt Stapelfeldt.
Weidel will zurück zur Kernenergie
Weidel hob in ihrer Antwort zunächst hervor, dass Deutschland beim Thema Energie wieder technologieoffen werden müsse. Heute würde dagegen eine Energieform einseitig subventioniert. Die Kernkraft sei einfach verboten worden, beklagt die Politikerin.
„Wir müssen die Subventionspolitik für die sogenannten erneuerbaren Energieformen beenden, da sie keine Energie liefern, wenn der Wind nicht weht und es dunkel ist. Dann müssen wir Strom importieren, unter anderem von französischen Kernkraftwerken“, so Weidel.
Sie fordert ein Umdenken. „Wir sollten zur Kernkraft zurückkehren und die Gesamtkosten der Energie senken. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat unsere Energieversorgung extrem teuer gemacht. Wir sind die teuersten weltweit und nicht mehr wettbewerbsfähig. Der Steuerzahler hat die gesamte Zeche gezahlt: Rund 500 Mrd. € bis heute, und mit dem Netzausbau kommen noch 450 Mrd. dazu.“
„Unter AfD-Beteiligung muss Ihr Windpark schließen“
In Richtung Stapelfeldt stellt Weidel klar, dass sie ihm und seinem Bürgerwindpark die enttäuschende Mitteilung machen müsse, dass der Windpark - sollte er sich ausschließlich mit Subventionen rechnen - unter einer AfD-Beteiligung schließen müsste. „Wenn er rentabel sein sollte, wäre das eine andere Frage. Ich weiß, das wird Ihnen nicht gefallen, aber die Verbraucher und Steuerzahler würden davon profitieren, da sie nicht mehr so viel bezahlen müssten, insbesondere bei sehr hohen Energiepreisen“, so Weidel.
Wahre Kosten der Atomkraft um vielfaches höher
Das kann der Landwirt nicht so auf sich sitzen lassen und verweist auf die hohen Kosten eines Kernkraftwerks und die realen Stromkosten daraus. Der Strompreis liege hier bei 30 bis 40 Cent und bei einem neuen Kohlekraftwerk bei 20 bis 25 Cent. „Ich verkaufe meinen Strom aus den beiden Bürgerwindparks aktuell für 7 bis 9 Cent. Wo sind da die Subventionen? Ein Atomkraftwerk kostet zunächst einmal 30 bis 50 Mrd. €, um es erst einmal auf die Beine zu stellen“, betont Stapelfeldt.
Das sieht Weidel anders: „Wie teuer ist denn Ihr Windstrom plus die Subventionen, die der Steuerzahler zahlen muss? Wenn man die Subventionen einrechnet, wären Sie bei 17 Cent pro Kilowattstunde und damit nicht mehr wettbewerbsfähig.“
Das größere Problem ist ihrer Ansicht nach, dass es sechs Kernkraftwerke gibt, die vor zwei Jahren abgestellt wurden. Die sollte man erst einmal wieder in Betrieb nehmen, um günstigeren Strom zu produzieren und insbesondere mehr Strom zur Verfügung zu haben.
Auf den Hinweis von Moderator Christian Sievers, dass die Kraftwerke schon abgebaut werden und selbst die Betreiber kein Wiederhochfahren wollen, äußert Weidel ihr Unverständnis. Sie wirft den Energieunternehmen vor, ihr gesamtes Geschäftsmodell auf den Subventionsbezug ausgerichtet zu haben. „Die Betreiber erhalten vom Staat garantierte Renditen zwischen 6 und 7 %. Das ist Planwirtschaft pur, und sie wollen nicht davon weg, weil sie damit Geld verdienen – auch mit einer unrentablen Energieform wie Ihrer“, behauptet die Wahl-Schweizerin.
Am Ende stellte Weidel fest, dass sie da eh nicht mit den Befürwortern neuer Energien zusammen komme. „Aber Sie verdienen ja auch Ihr Geld damit“, sagte sie noch in Richtung Stapelfeldt und drehte sich um.
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top agrar-Faktencheck
So einfach die Klimaschutzziele streichen, wie sich die AfD das vorgestellt, geht nicht. Deutschland hat sich vertraglich dazu verpflichtet.